Reisevorbereitungen

Segelboot festgemacht in der Marina von Bocas del Toro
Landesflagge von Panama

Landesflagge von Panama

Im eigenen Segelboot auf dem Weg nach Panama haben es Europäer relativ einfach: Hinsegeln, Eintritt bezahlen, wohlfühlen. Gerade der zweit Punkt hat es aber in sich. Panamas Gebühren dürften es zu einem der teuersten Länder überhaupt machen. Zumal hier auf viele Crews zusätzlich noch die Passage des Panamakanals auf die Bordkasse drückt.

Wir meldeten uns per E-Mail von der kolumbianischen Insel San Andres aus bei der Bocas Yacht Club & Marina in Bocas del Toro an. Am nächsten Morgen bestätigt Hafenmeister Chuck uns einen Liegeplatz und gibt eine wichtige Information zur Ansteuerung: „Alle Tonnen und Markierungen im Fahrwasser sind 2014 entfernt worden.“ Wir sollen einfach nach dem GPS-Plotter segeln, denn die dort eingezeichneten Bojen bilden ein sicheres virtuelles Fahrwasser. – Es leben der Kartenplotter und die Hoffnung, dass das GPS nicht wie in Belize eine halbe Meile neben der realen Position liegt.

Chuck hört auf Kanal 68 und weist uns per funk die letzte halbe Meile in die Marina. Es gilt einige Riffe zu umschiffen, die sich nach einem Erdbeben vor einigen Jahren gebildet haben und in den meisten Karten nicht korrekt enthalten sind. Mit seiner Hilfe ist das kein Problem.

Festgemacht erklärt er uns die Einreiseformalitäten:

Segelboot festgemacht in der Marina von Bocas del Toro

Nach einem halben Jahr zum ersten Mal wieder festgemacht an einem Steg

Es darf nur die gelbe Flagge als Quarantänezeichen gehisst bleiben. Die häufig übliche Kombination aus Gastlandflagge und gelbem „Q“ ist in Panama nicht erlaubt. Wir müssen die Panama-Flagge wieder einholen. Nur der Skipper darf das Boot verlassen, bis die Boarding Crew uns besucht hat, und auch das nur, um Kontakt zu den Beamten herzustellen. (Wer im Ankerfeld statt einer Marina ankommt, kann den Port Captain auf Kanal 16 oder über Kanal 68 erreichen und sich den weg an Land sparen. Meist genügt es aber auch einfach mit gelber Flagge in der Nähe des Fährterminals zu ankern und die Beamten kommen von sich aus an Bord.)

Zwei Stunden später geht ein Wassertaxi mit einer Handvoll gut gelaunten Beamten neben uns längsseits. Alle vier Behördenvertreter finden im Cockpit von Paulinchen gerade eben so Platz und beginnen ihre Formulare auszufüllen.

Wir brauchen drei Kopien unserer Pässe und eine Kopie, auf der der Ausreisestempel aus San Andres zu sehen ist für die Immigrationsbehörde. Diese Kopie können wir aber später in der Stadt machen und nachreichen. Außerdem ist für das Visum ein Farbfoto nötig. Die Beamte erklärt, dass es eigentlich das gleiche Bild sein müsste, dass auch im Pass ist. Am Ende genügt es ihr, das Bild aus einer Schwarz-Weiss-Passkopie auszuschneiden.

Der Port Captain braucht eine Kopie der Bootsregistrierung und ich werde zum ersten Mal auf meiner Reise nach einer „Captains License“ gefragt. – Mit meinem Sportbootführerschein und dem Foto von 1993 habe ich die Lacher auf meiner Seite, aber keine Probleme.

Die komplette Inspektion findet im Cockpit statt und dauert rund 20 Minuten. Am Ende kassiert der Hafenkapitän 110 US$ als Boarding Fee. Die Einreise ist damit allerdings noch nicht beendet. Im Laufe des Tages sollen wir bei ihm vorbeikommen und unser Cruising Permit abholen, für dass dann 193 US$ fällig werden. Außerdem müssen wir im Büro der Immigrationsbehörde unser Visum abholen (105 US$ pro Person).

Strassenbild von Bocas del Toro in Panama. Für Viele Zwischenstop auf einer Mittelamerikareise

Die Anzahl an Restaurants macht sofort klar: Bocas del Toro wendet sich an Touristen

Alles in allem kostet die Einreise nach Panama für zwei Personen damit rund 500 US$. – Panama zu besuchen ist eine Investition!

Dafür erhalten wir ein Jahr Aufenthaltsgenemigung für uns uns das Boot. Das relativiert die Kosten nur, wenn man einen längeren Aufenthalt im Land plant und dabei nicht allzu viel mit dem Boot herumreisen möchte. Denn das Cruising Permit ist nur die Legitimation für das Boot im Land. Für Reisen in die Zuständigkeit eines anderen Port Captains ist dann zudem eine Nationale Zarpe für jeweils 14 US$ zu erwerben.

Einzig bei der Aufenthaltsdauer bleibt Panama konsequent großzügig: Ein Jahr lang sind alle Stempel gütig.

Bei einer Ausreise wird dieses Jahresvisum allerdings ungültig. Auf dem Rückweg zum Boot erhält man aber laut der Beamten bei jeder Einreise ein neues Touristenvisum mit sechs Monaten. – Viel Zeit, Mittelamerika auf dem Landweg von Panama aus einwenig zu erkunden.

Tipps:

Geld – In Panama wird nur mit US-Dollar gearbeitet. Nichteinmal die Einreisegebühren können in Landeswährung bezahlt werden, die so den Eindruck erweckt, überhaupt nicht zu existieren. Lediglich Münzen in Landeswährung bekommt man hin und wieder einmal in die Finger. Das ist jedoch kein Problem, denn auch die Geldautomaten spucken nur US-Dollar und kein panamesisches Geld aus.

Urlaub vom Boot – Wer einen Heimflug plant, steht einem Problem gegenüber: Europäische Fluggesellschaften weigern sich nach Berichten vieler Segler, Fluggäste ohne ein gültiges Rückflugticket Richtung Panama an Bord zu lassen. Das ist auch im Normalfall bei Touristen durchaus richtig, die nur eine weile im Land bleiben und dann wieder nach hause fliegen. Wer von hier aus aber heim fliegt und dann weitersegeln möchte, hat ein Problem: Auf Nachfrage habe ich von der Pressestelle der Fluggesellschaft Condor erfahren: „Condor richtet sich nach den allgemein gültigen Einreisebedingungen der IATA (International Air Transport Association), die besagen, dass Besucher, die keinen panamaischen Pass haben und nicht in Panama geboren wurden, ein Rück- oder Weiterreiseticket vorzeigen können müssen. Dies gilt auch für Besucher mit Reiseantritt in Panama.“

Diese Antwort ist zwar bequem, umschifft aber das Problem nicht wirklich. Die Einreisebeamten vor Ort scheinend da etwas mehr Weitblick zu besitzen: Ein Cruisingpermit, hat ein Ablaufdatum (wie ein Flugticket auch) und schon bei der Einreise muss das nächste Ziel der Schiffsreise im Ausland angegeben werden (wie auf einem anderen Ticket ebenfalls). Damit ist das Dokument einem Ticket gleichwertig und dem Gesetz genüge getan. Das jedenfalls erfahre ich am Flughafen von Bocas del Toro.

Segler bräuchten daher wohl kein Weiterreiseticket, wenn sie ein Cruising Permit vorlegen, um ins Land zu kommen und von vielen Amerikanern weiß ich, dass sie mit Cruisingpermit und einem Schreiben der Marina ohne Probleme einreisen konnten. Leider nützt diese Weitsicht nichts, wenn vorauseilender Gehorsam schon in Europa verhindert, überhaupt ins Flugzeug gelassen zu werden. Stattdessen muss ein Alibi-Flug nach Costa Rica oder Kolumbien gebucht werden, der dann einfach ungenutzt verfällt. – Es erweckt den Eindruck, dass da vielleicht auch ein Geschäftsmodell dahinter stecken könnte.

Jedenfalls habe ich bereits vor Ostern dazu eine offizielle Anfrage an verschiedene Stellen in Panama geschickt, aber noch keine zitierfähige Antwort bekommen. – Ich bleibe dran.

Revierführer – Panamas Karibikküste fällt extrem steil ab. Nur wenige Seemeilen vor der karibischen Küste sind Wassertiefen um 1000 Meter keine Seltenheit. Umso flacher und komplizierter ist das Segeln in den Archipelen von Bocas del Toro und San Blas: Amtliche Seekarten und Chips für Kartenplotter sind in diesen Regionen bestenfalls als Empfehlungen zur Navigation zu verstehen. In Jahren mühseliger Kleinarbeit hat Eric Bauhaus mit seinem Schiff diese Reviere selbst vermessen und mit „The Panama Cruising Guide 4th Edition“ zuzusagen eine Bibel für die Region geschaffen. Das Buch sollte in keiner Bordbibliothek fehlen.

Durchreise – Wer Panama mit dem Ziel anläuft, durch den Kanal Richtung Pazifik zu reisen und keine Zeit im Land verbringen möchte, sollte die Passage im Voraus über einen Agenten organisieren. Im Transit sind die Kosten für die Einreise dann in den Kanalgebühren enthalten.

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