Die See gesehen – Gedanken zum #Weltozeantag

von Hinnerk Weiler am 07.06.2014 / in Zwischennotizen
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Was bedeutet Ozean?

Vermutlich habe ich den ersten #Weltozeantag der Geschichte irgendwo zwischen Rügen und den Stockholmschären auf dem Wasser erlebt. Das war am 8. Juni 2009 während der ersten Etappe meiner Reise in Richtung Finnland. Gewusst hatte ich damals allerdings nicht, dass rund ein halbes Jahr zuvor mit der UN Resolution 63/111 beschlossen wurde, an diesem Datum der Bedeutung des Meeres für den Menschen einen eigenen Tag zu widmen. – „Was bedeutet Euch der Ozean?“, hatte ich anlässlich des fünften Jahrestages vor einer Weile gefragt und von einigen Bloggern aus der Segelszene spannende Antworten bekommen. Eine Übersicht der Beiträge unter dem Hashtag #MeinMeer“ gibt es auf www.segeln-blogs.de.

Seit Schweden habe ich mit meinem Boot nicht nur Meere wie die Ostsee, sondern auch den Atlantik, überquert. Ich habe gespürt, wie die See Einfluss auf mich nimmt, meine Laune bestimmt und in gewissem Maß auch Kontrolle über mein Wohlergehen erlangt. Eine Schiffsreise, erst recht mit kleinem Boot, macht etwas so großes wie einen Ozean zu einem persönlichem Begleiter. Meist ist er Freund, manchmal auch Gegner. Mir war er meistens wohlgesonnen, bewies aber auch mit einem Fingerschnip seine Macht und verlegte das Ziel meiner Reise um 1000 Meilen nach Norden.

Für das Wasser auf dem ich segle ist weder Entfernung noch Zeit ein Maßstab. Seit tausenden Jahren ist es in stetem Kreislauf, hat jeden Winkel dieses Planeten erreicht und folgt Strömungen zwischen Arktischer – und Antarktischer See. An sonnigen Tagen verdunstet es und reist als Wolken weit über das Festland, von wo es über Flüsse seine Reise zurück zum Ursprung nimmt. Die Ströme der Ozeane regulieren nicht nur das globale Klima, mit ihnen reisen Nährstoffe und ihnen folgen eine Vielzahl von Tieren, die den Lebenskreislauf des gesamten Planeten beeinflussen.

Wir haben alle vielleicht einmal den Nebel getrunken, der uns an einem Novembermorgen melancholisch stimmte und es ist eine schöne Idee, sich vorzustellen, jetzt an einem Sommerabend in dem Wasser geschwommen zu sein, aus dem wir unseren ersten Schneemann bauten.

UnterwasserWasser ist unser Leben, aus den Ozeanen sind wir entstanden und jeder Atemzug den wir machen, jeder Tropfen in unserer Kehle und jeder Bissen auf unserem Teller führt uns zum Meer. Die Ozeane versorgen uns aber nicht nur mit Wasser und Nahrung, auf mehr als 71 Prozent der Erdoberfläche produzieren seine Algen mehr Sauerstoff als die gefährdeten Tropenwälder an Land.

Auf einer Segelreise ist die Perspektive auf die See kleiner: Ist einmal der letzte Hügel Land hinterm Horizont verschwunden, scheint das Boot zu stoppen und mein Schiff wird zum Mittelpunkt des Ozeans, der unter uns hindurch gleitet. Alle Notwendigkeiten des Lebens finden dann im Umkreis der wenigen Meilen um mich herum statt, die ich sehen kann. Meine Welt auf See wird eine Scheibe auf deren Oberfläche in einer Landschaft aus Bergen und Tälern eine Vielfalt an Lebewesen ihre Heimat hat. Ich genieße es, ein Teil davon zu sein und bewundere das Spektakel aus der Nähe.

Inzwischen habe ich aber den Atlantik ebenfalls einige Male per Flugzeug überquert und einen Blick auf ihn aus 10.000 Meter Höhe geworfen. Der Perspektivenwechsel, lässt den Herzschlag des Ozeans zu einem feinen Muster aus dünnen Streifen schrumpfen: Sein meterhoher Schwell wird zu einem Spiel aus Schatten, ein Boot statt zu seinem Mittelpunkt, zu einem unbedeutend winzigen weißen Punkt.

Ozeanimpressionen

Vom Flugzeug aus trennt ein Ozean Kontinente, auf seiner Oberfläche verbindet er sie. Hier oben begreife ich, wie sehr dieser Planet vom Ozean lebt, wie viel Wasser ihn ausmacht. Hier scheint die See buchstäblich unendlich zu sein und das Blau wirkt zwar zart und verletzlich, gleichzeitig aber mächtig und unberührbar.

Doch seine Artenvielfalt ist alles andere als unberührbar. Schon jetzt gelten viele Arten durch Überfischung und Verschmutzung als gefährdet. Nicht nur die kleinsten Lebewesen im Wasser sondern letztlich auch wir hängen davon ab, wie wir in den nächsten Jahrzehnten mit dem Meer umgehen.

Delphine vor der Azoreninsel Sao Miguel

 

Helft mit es zu schützen: Postet statt Sonnenuntergang und weißer Segel doch vom nächsten Törn einfach ein Selfi während ihr Müll aus dem Meer fischt. – Als kleines Dankeschön an das Meer, dass Euch viele unvergessliche Momente auf See beschert hat und bescheren wird. Markiert Eure Posts mit dem Hashtag #MeineSee.

2 Kommentare

  • Andreas says:

    Deine Ansicht und Blickwinkel kann ich voll und ganz teilen, deswegen wird mein innerer Antrieb, all diese Dinge selbst auf den Ozeanen zu erleben, immer größer.
    Sofern ich alt werde und meinen Ruhestand erlebe, möcht ich diesen gerne am Meer verbringen. Mal sehen ob es funktionieren wird…