[Mexiko] Schneegestoeber in der Bahia del Espiritu Santo

von Hinnerk Weiler am 12.12.2013 / in Nachrichten aus der Bilge

19 25.955N 087 28.050W Bahia del Espiritu Santo, Yucatan, Mexiko. – Herbstwetter gibt es in Mexiko eigentlich ja nicht. Jedenfalls nicht aus Sicht eines Nordeuropaeers. Trotzdem freue ich mic gerade unter der Decke auf einen Kakao mit Marshmallows. – Vorgestern war es noch eher eine kalte Cola, die mich begeistert haette. Da sind wir mit der Erwartung an einen eleganten Toern von Cozumel nach Belize zur Capitania del Puerto und haben aus Mexiko ausklariert. Gestern ging es dann los: Mit Parasailor, Gross und 2500 Motorumdrehungen gegen den Golfstrom, der hier vor der Kueste nach norden setzt. 2,5 bis 3 Knoten schnell. – Genau diese Geschwindigkeit zeigte auch das GPS gestern. Aber in Belize sind wir noch immer nicht. Dafuer aber nach den wildesten 12 Stunden auf See seit der Atlantikueberquerung heute Morgen in die Bahia del Espiritu Santo abgelaufen; Fluchthaven, wie man in der Koellner Bucht sagt. Gegen Abend bereits segelten wir statt in den angesagten 5-10 Knoten Ostwind bereits im dritten Reff mit Wind von achtern. Ein Squall nach dem anderen ruettelte in der Nacht durch Paulinchens Rigg, durchweg ohne Gewitter kommen sie immer wieder ueberraschend. Ich lerne: einige Minuten vor einem Squall wird die Luft ploetzlich etwas waermer. Das ist mein „Radar“. In finsterer Nacht werden aus 2-4 Fuss hohen Wellen noch vor Miternacht 2-4 Meter See. – Erst mal weg vom Strom! Das ist zum Glueck einfach machbar: Nach Osten in die offene See. Schnell werden die Wellen laenger und sind besser zu segeln. Bei Sonnenaufgang noch immer keine Aussicht auf Besserung: ueberall schwere Wolken. Ich zaehle fuenf Schauer allein um uns herum, dann verschwindet die Sicht im naechsten Wolkenbruch. Noch so eine Nacht und noch so einen Tag muss ich nicht haben. 15 Meilen sind es bis zu Bahia del Espiritu Santo. In der Hoffnung, der Name sei Programm nehmen wir Kurs lassen uns vom schwell durch die 1,2 Meilen breite Riffpassage heben. Dahinter ist ein bisschen Ruhe, genug fuer fuenf Stunden schlaf, dann sieht die Welt etwas besser aus. – Den Rest besogen Kakao, Bratkartoffeln und Wollsocken. Schnee wird es aber wohl doch nicht geben. – Karibik ist irgendwie bis jetzt nicht ganz das, was der Prospekt verspricht: Die Stopps, die Inseln, die Leute, alles wundervoll. Aber das Segeln in diesem Revier ist mehr als nervig, entweder gegen Passatwinde, durch unberechenbare Squalls, oder in einer konfusen See mit 2 Knoten Strom. Bisher haben wir an Mexikos Kueste auch noch keinen einzigen wirklich guten Ankerplatz gefunden. So ist das Segeln ein bisschen aufs reine Vorwaertskommen reduziert … ****

Kommentare sind geschlossen.