[Mexiko] Mit Seefahrerwissenschaft nach Cozumel

von Hinnerk Weiler am 02.12.2013 / in Nachrichten aus der Bilge

20 31.005N 086 56.947W San Miguel, Cozumel, Mexico – Nur knapp 12 Meilen trennten uns die letzte Woche von den Hotelburgen auf Mexikos groesster Karibikinsel. Nacht fuer Nacht sahen wir Kreuzfahrtschiffe wie bunte Leuchtwuermer unter schwarzen Regenwolken unser Ziel anlaufen und standen selbst still. Jedenfalls auf der Karte. In der Lagune vor „Hut Point“, wie der Revierfuehrer nennt, was in der Seekarte „Punta Maroma“ heisst, rollten wir von einer Seite auf die andere. Schneeweiss brach die See aus Nordost ueber dem Korallenriff im Osten und hinterliess kabbeliges Wasser am Ankerplatz. Eine Woche mit einem Minnimum an Schlaf. Seefahrt in dieser Region ist eine interdisziplinaere Wissenschaft: Die Physik des Wassers mischt sich mit der Geologie des Meeresbodens und bestimmt das Aussehen von Wellen und teilweise wirren Stroemungen. Dazu kommt der Strom, der mit zwei bis drei Knoten an der Kueste nach Norden setzt und bald als Golfstrom seinen Weg Richtung Europa nimmt. Letztlich entscheidet noch die Meteorologie darueber, was wir machen, was die Variable „X“ ist, wie unser naechster Schritt aussieht. – Die letzte Woche loeste sich die Gleichung mit X=Geduld. Ganz wissenschaftlich las sich das Kraeftedreieck draussen vor dem Riff in etwa: 1-2 Meter hoher Schwell aus ost, 15-25 Knoten Wind aus noerdlichen Richtungen und 2-3 Knoten Strom aus Sueden. – Eine brodelnd kochende See zwischen Cozumel und dem Festland und brechende Seen am Ankerplatz vor der Nordwestkueste der Insel. Heute war das Warten zu Ende, wir rollten ueber zwei Meter hohen Schwell, krochen mit drei Knoten ber Grund gegen den Strom und landeten am ende im Windschatten von Cozumels weit offenem Hafen. Keinen Tag zu frueh. Denn dort treffen wir nur einen Segler, der die letzten tage hier ausharrte. – Er sieht muede aus, ein wenig zerzaust. Beim Nachbarschafts-Hallo erfahren wir: „Die letzten vier Tage waren nicht lustig!“ Er sei in nicht mal ins Dingi gekommen, erzaehlt er. Wozu auch, am Strand brachen sich ueber einen Meter hoch die Wellen… ****

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