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von Hinnerk Weiler / am 26.07.2013 / in , , ,

Früher weckte mich fünfmal pro Woche jeden Morgen zur gleichen Zeit mein Wecker. Piepen, Summen, Gute-Laune-Dudelfunk-Moderation hatte ich als Start in den Alltag schnell satt, aber zumindest boten CD-Player und später MP3s etwas Abwechslung.

Eigentlich, hatte ich mir auch für meine Reise vorgenommen, eine Regelmäßigkeit dieser Art nicht wieder einkehren zu lassen. Und tatsächlich komme ich mit meiner inneren Uhr meist sehr gut zurecht. Ich gehe schlafen, wenn ich müde bin, und wache auf, wenn ich genug geschlafen habe.

Glück gehabt, wenn es morgens schon etwas bewölkt ist.

Glück gehabt, wenn es morgens schon etwas bewölkt ist.

Jeden Morgen gibt es aber seit einer Weile wieder einen „Alarm“, wie in meinem US Mobiltelefon die Weckfunktion heißt. Ohne den schlafe ich für Florida-Verhältnisse leider doch zu lange und wache erst gegen 7:30 Uhr auf. Dann aber steht die Sonne bereits am Himmel und trotz schattenspendender Plane lohnt es sich fast nicht mehr, nach einem schnellen Frühstück überhaupt noch mit Arbeiten an Deck zu beginnen.

Also klingelt wieder jeden Morgen mein Mobiltelefon „at crank of dawn“, um 6:15 Uhr. Das tat es vor einer Weile schon einmal, auf der Flussetappe, als Jeff unseren Treck aus segellosen Segelbooten mit unermüdlichem Elan noch vor Sonnenaufgang dazu brachte, täglich vor Sonnenaufgang Ankerauf zu gehen.

Morgende, die Eindrücke hinterlassen haben. Die Flusslandschaft dieser Binnenreise hat sich allerdings irgendwie fest mit meiner Wahrnehmung des Klingeltons verknüpft. Psychologen nennen so etwas Konditionierung. Und die funktioniert auch an tropischen schwülwarmen Morgenden. Sie zaubert frostige Sonnenaufgänge über herbstlich nebelige Sumpflandschaften und Bilder vom raschelnden Laub kahler Wälder Tennessees in meine letzten Minuten Schlaf. Draußen warten kurz danach Moskitos, 25 Grad und mit etwas Glück ein leichter Luftzug.

Viel Zeit zum Träumen bleibt am Morgen allerdings nicht. Ein schneller Kaffee, dann geht es an Deck. Denn kaum kommt die Sonne über den Horizont geklettert, steigen mit jedem Grad Höhe auch die Temperatur und Luftfeuchte an. Spätestens um elf Uhr vormittags fällt jedes Werkzeug aus schweißnassen Händen und verbrennen nackte Fußsolen auf Teakholz und Laufdecks. – Feierabend für den Tag, Schatten hin oder her.

Das Projekt „Hutse bau“, wie Jos Vaes den Bau meiner festen Sprayhood auf der Bootsmesse in Österreich betitelte, muss also in Halbtagsetappen vorher stattfinden. Jos hatte damals am Stand der Firma Von der Linden neben dem Titel für mein neues Dach auch den Tipp parat, statt Sperrholz einen Kern aus Coosa-Platten zu nehmen und auch den Kontakt zum Hersteller in Alabama konnte er herstellen, so dass ich seit Mobile grob zurechtgesägte Teile unter meinen Kojen spazieren fuhr.

Inzwischen ist daraus eine neue Sprayhood geworden. – Naja, zumindest der Kern für das Laminat. Und tatsächlich sind die Glasfaserplatten einfach in Form zu bringen und leicht zu schleifen und zu feilen. Der erste Teil der Arbeit ging schnell voran, aber einigen Ecken muss wohl doch noch mit etwas Spachtel zu schiffigeren Rundungen verholfen werden. Aber dazu später mehr.

Die Details zum Bau gibt es natürlich nach der Fertigstellung, wenn ich nicht nur meine gemachten Fehler kenne, sondern auch weiß, wie ich sie hätte vermeiden können.

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