Kuba ist ja recht dicht

von Hinnerk Weiler / am 25.06.2013 / in Amerika
35 Grad und 60% Luftfeuchte bei Windstille. Belastungstest für Ventilatoren

35 Grad und 60% Luftfeuchte bei Windstille. Belastungstest für Ventilatoren

Upper Deck, unten gibt es Cocktails und weiße Tischedecken. Hin und wieder verirren sich Gäste von dort die Treppe hinauf. Meist, weil sie noch eine Stunde auf ihren Tisch warten müssen. Unter Cocktailkleidern wippen dann hochhackige Schuhe neben Flip-Flops in kurzen Jeans. Scott singt seine Lieder vom Island Life: Erzählt, wie nur Amerikaner es können mit hoher und gleichzeitig rauchiger Countrysängerstimme, von Captain Morgan, Schildkröten am Strand, blauem Himmel und hin und wieder baut er ein „rechts von der Brücke“ ein. Das kommt immer, wenn wieder ein Delfin durch den Hafen zieht. Dann stoppt selbst er sein Spiel, um dem Auftauchen einer Seekuh direkt im Kanal vor dem Restaurant zuzusehen.

Dahinter, im Mooringfeld liegen nur noch eine Handvoll Boote. Durchreisende werden selten. „Im Juni sucht sich jeder seinen Platz und bleibt im bis Oktober dort“, hatte Larry prophezeit. Neuzugänge werden beäugt, wer länger als vier Tage bleibt, bleibt wohl für sehr lange und mischt sich ins Island Living. Nicht als Urlauber, erst recht nicht als Snow-Bird.

Klarmachen zum Auslaufen. Nächste Woche geht es nach Kuba!

Klarmachen zum Auslaufen. Nächste Woche geht es nach Kuba!

Die Feriensaison in Fort Myers Beach wurde letzte Woche offiziell für beendet erklärt. Wer noch hier ist, gehört jetzt hier her, jetzt ist Sommer. Die Einheimischen der Insel freuen sich darüber, den Rest des Jahres wieder mit mehr als Schritttempo über die enge Brücke fahren zu können und in den Bars sinken die Preise: „All Pizza 50% off till September“ steht gleich unter dem „Let‘s take back the beach“-Banner von der Party am letzten Wochenende.

Noch ein letzter Sommer USA. Es sollte ja überhaupt nur einer werden, drei sind daraus geworden. – „Spielt Zeit für Dich überhaupt noch eine Rolle?“, wurde ich neulich in einer E-Mail gefragt. Ja, aber als Neugierde. Nicht die Monate oder Wochen zählen, sondern was es zu entdecken gibt.

Florida ist noch USA und die kenne ich inzwischen. Aber es ist auch schon ein bisschen Karibik. Vor allem hier, auf der kleinen schmalen Insel vor dem Festland, ist die Türschwelle zu den Tropen erreicht. Um bis zum Ende der Hurrikan-Saison willkommen zu sein, muss ich jedoch noch einmal aus dem Land. Da gibt es kein Pardon für einen schief gelaufenen Start ins Jahr. Denn Regeln sind Regeln, die zu befolgen sind. Nicht unbedingt im Sinne des Gesetzes, nur im Sinne seiner Buchstaben. Und die sagen: Das Boot muss nach 12 Monaten für 14 Tage aus dem Land, auch, wenn der Skipper noch zwei Jahre im Visum gut hat. Dass das wenig sinnvoll ist, gesteht sogar die Beamtin vom Zoll ein, mit der ich telefoniere. Ändern kan sie daran aber nichts.

„Cuba is quite close from here,“ werfe ich im Telefonat beiläufig ins Gespräch ein. Die Insel vor der Tür Floridas ist für US-Amerikaner Tabu, ich darf natürlich hin. Aber darf ich hinterher auch wieder in die USA zurück? – Ja, darf ich. Aber es wäre besser für mich, wenn bei meiner Rückkehr nichts an Bord ist, was einen Stempel: „Made in Cuba“ hat. – Deal!

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