Hurrikans und Biertrinken am Strand

von Hinnerk Weiler am 29.05.2013 / in Amerika
Fort Myers Beach

Vorgeschmack auf kommende Stürme: Seit zwei Tagen wechseln sich 25 Knoten Wind mit Regenschauern in Fort Myers Beach ab

 

Memorial Day

Der Frühling in Fort Myers Beach ist vorbei, vorgestern war „Memorial Day“. Ein Tag der Besinnung und Erinnerung an die Gefallenen Soldaten der USA. Gleichauf mit Weihnachten und Labor Day, dem traditionellen Ende der Urlaubssaison, gehört der letzte Montag im Mai zu den wichtigsten Feiertagen des Landes. Und auch wenn es hier seit dem Wochenende immer wieder regnet, ist Memorial Day auch der Auftakt für den Sommer und damit Grund zum Feiern.

Das machen vor allem junge Amerikaner: Denn das Ende des Highschool-Jahres ist erreicht und der Beginn der Ferienzeit wird, wie überall auf der Welt, mit billigem Bier möglichst unter strahlender Sonne begossen. Das passiert eher unauffällig und gut versteckt. Denn Bier ist hier, wie überall in den USA an öffentlichen Stränden verboten. Aber kaum eine Nation ist im heimlichen Trinken besser trainiert als die Amerikaner. – Das liegt wohl am hohen „Drinking age“, denn wenn man eine Dose Bier erst mit 21 Jahren legal in der Hand halten darf, ist man mit 21 auch Experte darin, sich nicht damit erwischen zu lassen.

Für mich ist der „Urlaub“ seit gestern vorbei. Kinga ist wieder in der Schweiz und es wird Zeit, eine lange Liste an Ideen und diversen liegengebliebenen Texten anzugehen. Allem voran: Die längst fällige Fortsetzung bei Pocketstory und einige Artikel für ein neues Projekt. Aber davon später mehr…

Barbara kommt

Zuerst muss ich mir einen neuen Plan für den Sommer zurechtlegen. Trinidad ist weit und in drei Tagen beginnt offiziell die Hurrikan Saison im Golf von Mexiko und in der Karibik. Nebenan im Pazifik sind die ersten Wirbelstürme bereits seit einer Weile unterwegs. Nummer Zwei heißt Barbara und erreicht vermutlich heute die Küste von Mexiko.

Tropensturm Barbara nimmt Kurs auf Mexiko

Tropensturm Barbara nimmt Kurs auf Mexiko

 

Über Land wird der Sturm vermutlich seine Energie verlieren. Aber Mexiko ist schmal und zuletzt hat 1996 ein Hurrikan an etwa dieser Stelle das Land einfach überquert und sich im Golf neu zum Hurrikan formiert. Dass das mit Barbara ebenfalls passiert ist nach aktuellen Vorhersagen zumindest nicht unwahrscheinlich. Und Modellrechnungen geben in dem Fall Tampa Bay als möglichen Landfall des Sturmes an. – Das liegt keine Tagesreise im Segelboot von hier aus. Es wird also Zeit, sich mit dem Gedanken an einen frühen Start in die Sturmsaison anzufreunden. Früher jedenfalls, als geplant.

[quote align=“right“ color=“#999999″] TROPICAL STORM BARBARA DISCUSSION NUMBER 2

NWS NATIONAL HURRICANE CENTER MIAMI FL 8:00 PM PDT TUE MAY 28 2013

THE STRUCTURE OF BARBARA HAS IMPROVED DRAMATICALLY SINCE THE LAST ADVISORY… INFRARED SATELLITE IMAGES HAVE EVEN SHOWN AN EYE-LIKE FEATURE DURING THE PAST COUPLE OF HOURS. (…) THE CYCLONE IS MOVING NORTH-NORTHEASTWARD INTO A BREAK IN THE SUBTROPICAL RIDGE…AND IT SHOULD BEGIN TO ACCELERATE OVER THE NEXT DAY OR SO AS A MID-LATITUDE TROUGH DEEPENS OVER THE SOUTHERN UNITED STATES. THE NHC FORECAST TRACK BRINGS THE CENTER OF BARBARA INLAND ALONG THE SHORE OF THE GULF IN 12 TO 24 HOURS. [/quote]

Die Golfküste Floridas ist einer der Orte, an denen man um diese Jahreszeit nicht sein sollte und eigentlich auch nicht der, an dem ich mich gerade wirklich wohlfühle. Aber ich habe es vergeigt, rechtzeitig weit genug nach Süden zu segeln. Ärgerlich! Aber ich brauchte einige Wochen in Fort Myers. Das Kribbeln, dass sich jetzt in der Magengegend einstellt, würde ich allerdings als leichten Fluchtreflex umschreiben. Aber wohin? Allzu weit komme ich in der kurzen Zeit eh nicht. Kommt Barbara nächste Woche tatsächlich hier als Sturm an, könnte ich gerade noch die Atlantikseite Floridas durch den Okechobee River erreichen. Und wohin dort? Es steht also zur Wahl, mich hier auf einen Sturm einzustellen oder zu riskieren, dass er mich dafür etwas abgeschwächt an einem weniger geeigneten Ort einholt. Vernünftig klingt für mich im Moment Ersteres.

Und Barbara ist natürlich auch längst Thema am Dingisteg. Die, die schon länger hier „wohnen“, sind gelassen: „Im Hafen an Bord ist es jedenfalls sicherer als an Land. Fort Myers Beach meldet bei etwa zwei Metern Flut Land unter“, wird mir erklärt. Und rund drei Viertel der Mooringbojen hier sind zurzeit unbelegt. Bei tropischen Stürmen, so erfahre ich, dürfen die Boote im Mooringfeld an je drei freien Bojen festmachen. Wie ich das dann genau machen werde wenn der Sturm tatsächlich kommt, überlege ich mir, wenn die Vorhersagen etwas konkreter werden. Und danach? Die Karibik wird wohl bis zum Herbst auf mich warten müssen. Das für Trinidad geplante kleine Refit aber findet statt. Nur eben ein bisschen weiter im Norden. Für gute Vorschläge dazu bin ich natürlich dankbar.

Am Ende unseres Gespräches klopft mir Terence auf die Schulter: „Hurricans sind eigentlich wie Biertrinken am Strand,“ sagt er, „die Chancen erwischt zu werden sind gering. Aber wenn es passiert, dann wird es für etwa 48 Stunden wirklich richtig ungemütlich.“

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