Strandgespräch

von Hinnerk Weiler am 15.05.2013 / in Amerika

Matanzas Inn, das kleine Hotel, das über das städtische Mooring-Feld in Fort Myers Beach wacht, hat ein WLAN und im klimatisierten Laundry-Room steht ein großer Tisch unter einer Klimaanlage neben Trocknern und Waschmaschinen. Ein Cruiser-Gemeinschafts-Büro, wie es sich immer dort etabliert, wo Crews auf Booten wohnen und eine Weile bleiben. Man kennt sich nach einer Weile und trifft immer die gleichen Leute hier hinter ihren Laptops eifrig damit beschäftigt die nächsten Tage Leben zu finanzieren. Jeden Morgen hüpfe ich im ersten Sonnenlicht ins Dingi, um zum Arbeiten dort hinzufahren. Es fühlt sich nach eigenartigem Segleralltag an, mit einem Becher Kaffee in der Hand zur Arbeit zu Motoren.

Muscheln, Algen, Kleingetier - nach nur zwei Wochen ist der Rumpf des Dingis bereits ein eigenes Biotop

Muscheln, Algen, Kleingetier – nach nur zwei Wochen ist der Rumpf des Dingis bereits ein eigenes Biotop

Klassischer verläuft ein Nachmittag mit Dingi-Wartung auf dem Programm. Es dauert nur Tage, bis sich unter dem ungeschützten Plastik-Rumpf die ersten Muscheln und Pocken niederlassen und nach spätestens zwei Wochen wird es Zeit den Rumpf frei zu kratzen. Ein Strand unter Palmen ist für solche Arbeiten ideal und Kinga kann den Fortschritt vom Knietiefen Wasser aus beaufsichtigen.

Ein Pärchen kommt vorbei und fragt, was ich mache, ob ich das Schlauchboot zum Angeln nutzen würde, woher ich komme… Als ich muschelnkratzend meine Geschichte erzähle, kommentiert die junge Frau „Wow, you are living a dream“. Ich schmunzele und ihr Mann schaut sie entgeistert an: „Du träumst davon alle zwei Wochen Muscheln vom Schlauchboot zu kratzen?“ Dann gehen beide schweigend weiter.

Wenig später sitzt mir ein Reiher gegenüber und schaut mich an, als wollte er sagen: Gut so, weitermachen!

 

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