Riverqueen

von Hinnerk Weiler am 24.04.2013 / in USA

26 27.425N 081 57.102W Fort Meyers – Zwei Tage und zwei Naechte. Nur ein kleiner Hops entlang der Kueste Floridas. Es scheint, als haette das Universum eine klare Meinung zu mir in der Karibik: „Nein“. Wochenlang komme ich nicht von der Kueste weg. Vorgestern oeffnet sich ein Fenster und in der ersten Nacht fegt eine Boe durch das Cockpit. Noch waehrend ich die Reffleinen entwirre, nimmt sie das Solarpaneel mit und knickt die Kurzwellen-Antenne ab wie ein Streichholz. Glueck im Unglueck: Das Paneel landet mit Scheppern im Cockpit, die Antenne zieht am Kabel hinter mir durchs Wasser. Alles gesichert gehe ich patschnass unter Deck und lausche den 25 Knoten halbem Wind im Rigg und der Gischt, die auf die Sprayhood trommelt und mit Klatschen im Cockpit landet. „Eigentlich muesste als Naechstes jetzt der Mast brechen“, denke ich und stopfe mich in mein schweres oelzeug, waehrend ich im Geiste den Bolzenschneider in der Backskiste verorte. Knapp einen halben Meter kuerzer ist die Antenne am naechsten Mittag wieder da. Das Paneel aber kann ich nur lose verdrahtet ins Cockpit legen, um zumindest etwas Ausbeute zu haben. Ausserdem schwappt Wasser in der Bilge, dessen Herkunft unbekannt und Menge zumindest irritierend ist. An allen Wantenterminals sitzt ein feiner rotbrauner Rand aus Rost. Und der Motor lif die Tage auch nicht rund. Im Kopf entsteht eine lange Liste. Vielleicht schreibe ich sie demnaechst mal auf, in „dringend“, „gern bald“, „nice to have done“ unterteilt auf. Aber unterm Strich steht: Paulinchen ist im Moment einfach nicht faehig eine anspruchsvolle Gegenwind Off-Shore Tour von mindestens zwei Wochen in die oestliche Karibik sicher zu bewerkstelligen. Und ich habe gelernt, meinem Bauchgefuehl zu vertrauen. Mit ruhiger Stimme sagt das: Als Riverqueen auf dem Mississippi hat sie sich gut geschlagen und sie wird den Toern auch weiterhin gut meistern. Aber jetzt braucht sie etwas mehr Fuersorge als den Eimer Farbe unterm Rumpf. Dieses „jetzt“, das ist mir in den letzten beiden Naechten bewusst geworden, liegt nicht in Trinidad und nicht in Belize. Vorher brauche ich Material und Infrastruktur. Darum bin ich heute nach Fort Meyers gesegelt. In Begleitung von Delphinen und einer Riesenschildkroete um die Langzunge herum dem engen Fahrwasser gefolgt und wollte eigentlich Ankern. Aber das scheint in Florida immer mehr unerwuenscht zu sein. ueberall, wo es tiefer als drei fuss ist, treiben Mooringbojen herum. Im Hafen von Fort Meyers Beach kann man von Mooringboje zu Mooringboje trocken ueber das Wasser kommen. Dahinter liegt ein Strand-Urlaubs-Staedtchen. Beschreibungen nach ein lohnenswerter und lebhafter Ort. In meinem ersten Eindruck ein halbwegs industrieller Hafen mit viel zu vielen Mooringbaellen und ebenso vielen Bars darum herum. Dazwischen rostige und blitz blanke „Schrimper“. – Die US Variante des Krabbenkutters. Vielleicht ist das hier gar nicht so schlecht, einfach erst mal zwei Tage abschalten, aufraeumen und dann weitersehen, ob sich nicht doch ein Weg findet, aus 2013 noch etwas Brauchbares entstehen zu lassen.. ****

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