Warum geht ihr nicht an Bord?

von Hinnerk Weiler am 09.03.2013 / in Zwischennotizen
Little Traverse Sailors Moonlight Sail / Foto: Hinnerk Weiler

Jugendliche mit Spaß zum Segeln bringen

Letzte Tage in Europa, und bevor ich wieder von Palmen und Weltreise schreibe, muss ich lernen, dass dem Wassersport harte Zeiten bevorstehen. Das jedenfalls legt die Pressemeldung zur Regionalkonferenz bei der Eröffnung der Messe Magdeboot nahe: Als erschreckende Neuigkeit stellt Peter Dörnfeld von mediamare Consult anhand einer Studie fest, dass auch 2012 alle Wassersportler wieder ein Jahr älter geworden und in 15 Jahren, so wird spekuliert, gibt es 15 Prozent weniger von ihnen. „Darauf müssten sich nicht nur Marinabetreiber einstellen. Eine Mischnutzung und neue Strukturierungen seien angezeigt“

Über die Erkenntnis, dass Segler älter werden und gleichzeitig wenig Nachwuchs für den Wassersport zu begeistern ist, machen Begriffe wie Mischnutzung und neue Strukturierungen einwenig Angst: Sie klingen irgendwie nach Häfen, die vor allem Hotelgästen und Ferienwohnungen als Aussicht auf einen Hafen dienen sollen. Das hat schon in den 80ern des vergangenen Jahrhunderts nicht funktionieren wollen, wie ein Besuch in diversen Anlagen in Dänemark, den Niederlanden oder neuerlich der deutschen Ostseeküste zeigt.

Statt also immer wieder die bestehenden Wassersportler zu fragen, wie viel älter sie im letzten Jahr geworden sind, sollte man damit beginnen, Nichtwassersportler einmal zu fragen: Warum geht ihr nicht an Bord?

Daraus könnten sich sinnvollere Studien ergeben, die den Weg zu neuen Konzepten bahnen. Dass der demografische Wandel stattfindet, kann man wenig ändern. Wie dieser Wandel für sie aussehen wird, bestimmt die Branche aber weitgehend selbst. Das haben auf der Podiumsveranstaltung in Magdeburg Bastian Hauck von der Bootswerft Schleswig und „TouchWood“-Mann Ralf Peine aufgezeigt: Sie bemängelten, beispielsweise, dass die großen deutschen Werften kaum Einsteigerboote unter 30 Fuß herstellen würden, da sich das angeblich nicht lohne. Aber Segeln muss vor allem für jüngere Generationen wieder „sexy“ werden.

Ein Weg dahin führt neben der Herabsetzung von rechtlichen Hürden, auch über einen zunehmend schmalen Geldbeutel. Aber auch dafür gibt es Konzepte, wie beispielsweise das Hamburger Projekt bootschaft.net [Das leider inzwischen eingestellt wurde].

Denn neue Kunden kommen nicht, weil man darüber jammert, dass sie wegbleiben, sondern indem man ihnen anreize bietet, ihnen etwas zeigt, das Spaß macht und das sie sich leisten können.

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