Mile 42

von Hinnerk Weiler / am 30.09.2012 / in Nachrichten aus der Bilge

37 11.674N 089 27.437W Mile 42, Mississippi. – Ankern hinter irgendeinem namenlosen Stack im Mississipi. Kurs Sued auf dem Mississippi fliegt die Landschaft mit acht bis zehn Knoten vorbei. Zu schnell, um langsam einsetzenden Herbstfarben zu genießen oder den Wechsel von steilen Sandsteinklippen zu flachen Ebenen auch nur zu bemerken. Alle hundert Kilometer eine Brücke, keine Straßen am Ufer, selten eine Siedlung. Spannend, und langweilig zugleich. Allein kann man sich hier schnell verloren fuehlen. Wir sind zu Dritt unterwegs: ein Deutscher, ein Kanadier, ein Amerikaner. Zusammengewürfelt in Hoppies Marina, Gefährten für eine Weile. Ich habe meinen Mast stehen, der von Whisper liegt an Deck, Truant hat seien einer Spedition anvertraut. An der Spitze der Gruppe wechseln wir uns täglich ab. Flussfahrt ist überraschend harte Arbeit: Funken, steuern, Karten checken, Namen von Kurven und Leuchtfeuern merken mit denen die „Tows“ ihre Standorte beschreiben und immer in der Erwartung sein, dass hinter einer Sandbank auf einmal die Nase eines Schubverbands hervorkommt. Der größte bisher hatte 40 Schuten – ca. 60m breit, etwa einen Kilometer lang. Da bleibt wenig Raum für entgegenkommende Sportboote. Ihnen in den engen Kurven des Mississippi zu begegnen ist sogar Lebensgefährlich. Tausende PS saugen vor ihnen das Wasser an und türmen es dahinter über einen Meter hoch auf. Damit sie hier nicht auf Grund laufen, halten unendlich viele Dämme und Stacks das Fahrwasser tief und schmal. Im aktuellen Niedrigwasser sind wir alle drei ebenfalls auf dieses Fahrwasser angewiesen. Neun Fuß garantiert das Coprs of Engeneers. Sechs brauche ich. Da bleiben 60 Zentimeter Wasser unterm Kiel, der mit 10 Knoten auf dem GPS über den oft felsigen Grund fegt. Morgen ist das alles schon vorbei. Dann erreichen wir Meile Null. Der „Upper Mississippi“ wird dann zum „Lower Mississippi“ und setzt seine Reise Richtung Süden ohne uns fort. Wir biegen links ab, pardon, nach laufen nach backbord, pardon, „on the one whistle“, wie man hier sagt. Für die kommenden Tage geht es dann deutlich langsamer, gegen ein bis zwei Knoten Strom ein Stück den Ohio hinauf. ****

Kommentare sind geschlossen.