Personalfrage

von Hinnerk Weiler / am 28.07.2012 / in USA
Paulinchen in der Marina Drummond Island Yacht Haven

Warten auf ein Urlaubsende. Zumindest lädt das Wetter nicht zur Weiterreise ein

So ganz zurück in der Zivilisation fühle ich mich noch nicht. Und erzähle ich meine aktuelle Geschichte hier im Hafen von Drummond Island, im Bundesstaat Michigan, sind die üblichen Reaktionen meist ein beschämt rotes Gesicht oder zuweilen auch wütende Blässe, immer begleitet von einem resignierten: „Welcome to America“.

Und dieses Amerika ist auf diesem Teil der Reise bisher lediglich Drummond Island. Die Insel ist ein Einklarierungshafen an der Grenze zwischen Kanada und den USA. Zudem der einzige Hafen mit einem Zollbüro im Umkreis von etwa 50 Meilen.

Hier verschwindet der North Channel in Paulinchens Kielwasser. Eigentlich wollte ich hier einen kleinen Rückblick auf die knappen hundert Meilen der letzten Wochen geben und einen Tag lang die Annehmlichkeiten einer Marina auskosten. Die erste Dusche seit Owen Sound vor rund vier Wochen beispielsweise wäre ein erwähnenswertes Highlight. Ich hätte gern ein bisschen von der Romantik des Abgelegenen geschrieben. Davon, wie auf einmal WLAN und Handynetze zu Symbolen von Zivilisation in weiter Ferne werden. Ich wollte über Felsen, Steine und tiefes klares Wasser schreiben und einen ganzen Haufen Fotos dazu zeigen. – Allein die innere Ruhe dazu fehlt mir im Moment.

Customs clearance at Drummopnd Island Yacht Haven

Drummond Island Yacht Haven ist der einzige Posten mit Beamten vor Ort, um per Boot am Nordufer des Lake Michigan einzuklariern.

Denn seit drei Tagen sitze ich hier in dieser Marina; halb eingereist. Das liegt nicht an fehlenden Dokumenten, nicht an einem abgelaufenen Visum oder sonst üblichen Gründen. Paulinchen ist derweil zweimal inspiziert und für genehmigt erklärt. Mein Pass ist längst gestempelt und hätte ich nicht die Vorzüge eines Journalistenvisum, würden bereits die ersten der für Touristen sonst geltenden 90-Tage Aufenthalt verstrichen sein. Angesichts von etwa 2.000 Meilen bis zum Golf von Mexiko wäre das durchaus ärgerlich. Und es ist auch ärgerlich, denn nebenbei sind inzwischen rund 200 Dollar Liegegeld aufgelaufen.

Aber bei alle dem bin ich: „good to go“, wie mir jeden Tag aufs Neue berichtet wird. Einzig auf das Blatt Papier muss ich noch warten, das mir eben dies bestätigt. Das Cruising Permit für die USA soll jeden Tag aufs neue „morgen“ da sein.

Es besteht vor allem aus einer Nummer und der Erklärung, damit ein Jahr lang die Hoheitsgewässer der USA bereisen zu dürfen, ohne weitere Formalitäten zu erledigen, ohne Genehmigungen einzuholen oder Gebühren für die Freigabe entrichten zu müssen und auch keine Abgaben auf Tonnage und Ladung zahlen zu müssen. Ein Freifahrtschein, dessen einziger Pferdefuß die Notwendigkeit ist, jede Schiffsbewegung telefonisch unverzüglich nach Erreichen eines Hafens der Homeland Security durchzugeben.

In Massachusetts im Juli 2010 hatte ich so ein Dokument schon einmal bekommen. Damals hatten die Beamten es bereits unterschrieben und abgestempelt dabei als sie Paulinchen inspizierten. Es dauerte großzügig gerechnet etwa sieben Minuten, alle Daten dazu vor meiner Ankunft abzufragen.

Cruising Permit genehmigt

Das Cruising Permit ist genehmigt. Es auszustellen allerdings ist nicht möglich

Hier geschah das erst nach der Einreise. Aber auch hier wurde der Antrag noch am selben Tag genehmigt. Eine Kopie davon kam per Fax, mit Stempel und Unterschrift. Das Permit selbst ist demnach eine Formsache, die einige Mausklicks, einen Drucker, einen weiteren Stempel und eine erneute Unterschrift erfordert. Einzig der letzte Punkt scheint das Problem zu sein: Denn heute erfahre ich, dass der Port Director von Sault Saint Marie im Urlaub ist. Er kann das Dokument daher erst nach dem 6. August unterschreiben. – Ein blöder Zufall, kann man nicht ändern. Allein die Selbstverständlichkeit dieser Tatsache erreicht einen Grad an Peinlichkeit, der seinerseits Genemigungspflichtig sein müsste und klingt in vielen Ländern dieser Welt eher so, als hätte ich vergessen, vor der Einreise eine 50 Dollar Note in meinen Pass zu legen. – Das, dachte ich sei in den USA unüblich.

Immerhin darf ich inzwischen nach etlichen Telefonaten und Gesprächen weiterreisen und kann auch einen preisgünstigeren Ankerplatz aufsuchen. Allerdings muss ich bis auf Weiteres im Zuständigkeitsbereich des Grosmoguls Port Directors von Sault Saint Marie bleiben. Damit habe ich bei dem aktuell wieder flautigen Wetter einen Aktionsradius von etwa anderthalb Tagen segeln.

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