Kurzausflug und doch nicht weiter…

von Hinnerk Weiler am 29.06.2012 / in Nachrichten aus der Bilge

Snug Harbour, North Channel, Canada. – Anna Jameson zeichnet ein romantisches Bild von Killarney. Als sie Anfang des 19. Jahrhunderts diese Gegend bereiste, gab es keine Autos, keine Straßen und keine Touristen. Gegen Sonnenuntergang erreichte sie damals die Hütte eines Pelzhändlers: „Lemorandiere hieß der, soweit ich mich entsinne“. Sie stand am Ufer einer schmalen Passage zwischen dem Festland und einer Insel. Unweit seiner Unterkunft hatten Indianer ihre Wigwams aufgestellt. „Eine beeindruckende Kulisse, insbesondere als vor den Hütten und Zelten die Lagerfeuer entzündet wurden, um Insekten und wilde Tiere fern zu halten. „Ich kann nicht die Umrisse einer Squaw vergessen, wie sie schwarz und groß vor den lodernden Flammen stand und in einem Kessel rührte. – Wie eine der Hexen aus Macbeth“. Damals hieß Killarney allerdings Shebaonaning, lange und schmale Passage, und Gründer „Robert de la Morandiere“ war auch bei weitem nicht der erste, der hier siedelte: Schicht um Schicht haben Archologen hier Knochen und Spuren gefunden, die ältesten 9.000 Jahre älter sind als der Pelzhändler. Inzwischen ist aus seiner Hütte und den Wigwamms eine der wenigen größeren Siedlungen am North Channel entstanden. Hübsch ist der Ort auch heute noch. Seinen Charakter als geschäftiger Handelsplatz hat ebenfalls behalten: Entlang der Felsen auf beiden Seiten des Ufers reihen sich Marinas, etliche Lodges, Resorts und Cottages. Drei Längs- und einige Querstraßen; etwa 450 feste Einwohner und vermutlich 1000 Urlauber formen das Dorf. Die Straßen gab es schon früher, sie endeten bis in die 60er Jahre im Wald. Die Waren des „General Store“ kamen bis dahin wie alles Andere per Boot oder im Winter mit Schlitten über das Eis. – Trapperromantik, hartes Leben. Der Laden erzählt davon: Ein Holhaus, das sicher nicht lange nach Anna Jamesons Besuch gebaut wurde: Groß, wie eine kleine Vorstandbahnhofshalle und vom Sortiment mit jedem Bahamas-Island-Store vergleichbar. Es gibt nicht viel, und davon nur wenig. Ich bleibe zwei Stunden, mache Bilder, wasche Wäsche, finde eine Touristenfalle, die zu horenden Preisen Fisch’n’Chips verkauft und kehre dem touristischen Städtchen satt den Rücken. Der Wetterbericht hat einige Pfannkuchentage angekündigt: Westwind, 20 Knoten, Regen und Gewitter. Das mündet früher oder später in Blaubeerpfannkuchen. Eigentlich will ich nach Westen. – Wohl erst nächste Woche.

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