Ein Jahr in sechzigtausend Tagen

von Hinnerk Weiler am 11.07.2011 / in Zwischennotizen

Was den frühen Griechen Poseidon war, ist den Römern Neptun gewesen. 165 Jahre hat der äußerste Planet des Sonnensystems benötigt, bis er am morgigen Dienstag zum ersten Mal wieder den Ort seit seiner Entdeckung erreicht. Wer auch immer dort oben morgen Geburtstag feiert. – Herzlichen Glückwunsch.
Mal wohlgesonnen, dann wieder schlechtgelaunt hat Neptun als Gott des Meeres und der Fließgewässer das Schicksal der alten Seefahrer beeinflusst wie kein anderer. Die Ehrfurcht vor den durch ihn gelenkten Wellen, Seeungeheuern und Stürmen hat sich bis heute als Tradition überliefert. Auf vielen Yachten geht daher auch im Jahre 2011 der erste Schluck jeder an Bord geöffneten Falsche Alkohol als „Neptuns Schluck“ über die Bordwand.

Voyager 2 Aufnahme der Stürme auf dem Neptun

Neptun - Ein Jahr in sechzigtausend Erdenjahren/(Foto: NASA)

Weniger Aberglauben als Wissenschafft ließ Neptun als Planeten anfangs allerdings nur als Zahlenspiel der Mathematiker existieren. Abweichungen von einer 1821 durch Alexis Bouvard veröffentlichten Berechnung der Umlaufbahn des Uranus zeigten, dass die Masse eines weiteren achten Planeten existieren müsse. Den hatte zwar zweihundert Jahre früher bereits Galileo Galilei entdeckt, der hielt ihn aber aufgrund einer ungünstigen Konstellation für einen Jupitermond oder Fixstern. Neptuns endgültige Entdeckung wird daher 1846 den Bemühungen des Mathematikers Le Verrier und in zweiter Linie dem Astronomen Johann Galle zugesprochen. Letzterer hatte zu leichtes Spiel anhand der bis auf einen Grad genauen Vorausberechnung Neptuns Existenz zu bestätigen. Der achte Planet im Sonnensystem ist damit der erste Planet, der nicht durch Suche am Nachthimmel oder zufällige Beobachtung, sondern durch systematische Berechnungen entdeckt wurde.

Die ersten hochauflösenden Bilder des 4,5 Milliarden Kilometer entfernten Planeten lieferte 1989 die US-Raumsonde Voyager 2. Im Vorbeiflug gelang ihr dabei auch zum ersten Mal eine genauere Bestimmung seiner Atmosphäre. Anders als die Erde ist der Planet ein Gasriese. Seine blaue Farbe gründet sich dadurch nicht auf riesige Meere, sondern entsteht durch den Methangehalt in seiner Atmosphäre. Dennoch hätte für Neptun kaum ein passenderer Name gewählt werden können.

 

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