Archive

von Hinnerk Weiler / am 21.02.2011 / in , ,
Downtown Miami

Downtown Miami

Götzenhaft ragt in amerikanischen Großstädten in die Höhe, was man hier lobend Skyline nennt. Auch in Miami liegen die Straßen der Stadtzentren im Schatten der Hochhäuser und kratzen sich Wolken an deren Penthouses. Wie Gebetsteppiche darum ausgebreitet ein Meer kleiner einstöckiger Häuser mit breiten Straßen und winzigen Gärten. So etwa sieht Miami aus der Luft aus, wenn man sich vom Festland aus der Stadt zuwendet. Von Osten kommend sind die Gebetsteppiche allerdings deutlich kleiner, und liegen am weißen Strand von Miami Beach. Unter Sonne und blauem Himmel.
Der Kontrast nach vier Wochen Hamburg ist einmalig. Rollte der Flieger durch zehn Zentimeter Neuschnee zur Startbahn, so landete er zwischen Palmen. Zu Hause oder auf Reisen? Beides! Die Wahrnehmung von Urlaub und Heimat ist nach dem Abstecher nach Deutschland nicht mehr zu unterscheiden. Wo sind die Wurzeln geblieben? An Bord oder in der Hansestadt, die gerade zwischen hanseatischem Trotz und Stolz das geringere Übel als neuen Senat wählte? Der Monat in Deutschland, verging jedenfalls dem Gefühl nach in Minuten. Die Liste unerledigter Dinge wird mich auf dem nächsten Flug in Teilen wohl wieder begleiten.

Im Sunshine State Florida ist alles anders. Mit 23 Grad empfängt mich der späte Nachmittag und ein Taxifahrer, dessen Englisch kaum durchs Spanische zu verstehen ist, wecken die Reiselust auf. „Falscher Flieger?“, geht mir durch den Kopf. Aber Sprachprobleme sind hier keine Seltenheit, wie sich in den nächsten Tagen zeigt. Egal, ob im Supermarkt, Hotel oder einfach nur auf der Straße. Miami liegt mehr in Zentralamerika als im Norden des Kontinents. Eine Feststellung, die der eher konservative Nachrichtensender CNN am Abend fast als Drohung darlegt: Eine dramatische Wende in der politischen Landschaft des Südens sieht der Nachrichtensprecher aufkeimen. Mit ernster Mine verkündet er, dass die zwanzig Prozent spanischsprachigen Einwohner in Texas zwei Drittel der Geburtenrate stellen.- Englisch wird in den USA demnach früher oder später zur Minderheitensprache. So what? Ich kann damit leben. (mehr …)