E-Mails unterwegs

von Hinnerk Weiler am 20.06.2010 / in FAQ

E-Mails und Artikel auf der Homepage von unterwegs? Das geht sicher nur per teurem Inmarsat, oder?

Satellitenkommunikation ist heute nur eine von vielen Möglichkeiten, von Bord aus kabellos ins Internet zu gelangen. Richtig ist natürlich, das ein Smartphone oder WLAN auf dem Atlantik nicht funktionieren.

Die bequemste – und meist teuerste – Alternative sind Sat-Telefon Anbieter, deren Geräte mit einem USB-Kabel an einen Computer angeschlossen werden können. Neben dem Klassiker Inmarsat gibt es diese beispielsweise auch von Globalstar oder Iridium.

Brennt Ihnen eine Frage rund um das Leben an Bord oder zum Törn auf der Zunge? Dann raus damit! – Schicken Sie Ihre Nachricht einfach über das Kontaktformular direkt an Bord oder schreiben Sie eine E-Mail an „post@hinnerk-weiler.de„. Die häufigsten Fragen und Antworten werde ich nach und nach in der Rubrik FAQ zusammenfassen.
Neue Rubrik FAQ

Für mich und viele andere Skipper sind die Anschaffung und vor allem die Verbindungskosten allerdings ein K.O.-Kriterium. Wer auf das (ohnehin sehr langsame) Browsen im Internet unterwegs verzichten kann und lediglich per E-Mail erreichbar sein möchte fährt mit einer Kurzwellen Funkanlage meist preiswerter. Die würde ich ohnehin jedem ans Herz legen, der fernab von Küsten segeln will. Denn über Kurzwelle erreichen Sie auch andere Schiffe, Küstenfunkstationen und damit im Notfall auch Rettungskräfte über tausend und mehr Meilen entfernung. Während meiner Atlantiküberquerung stand ich so beispielsweise mit dem Funknetz Southbound II in Kontakt. Täglich erhielt ich kostenlos eine aktuelle Wettervorhersage individuell auf meinen Törn abgestimmt.

Mit einem sogenannten Pactor Modem kann diese Funkanlage mit einem Notebook oder Bord-PC verbunden werden. So lassen sich am Computer verfasste E-Mails bequem auf Knopfdruck verschicken. Die Übertragung erfolgt dabei in „Tönen“. Vielleicht erinnert sich der Eine oder Andere an die Anfangszeit des Internet, als man sich per Telefon mit einem Modem einwählen musste. Der Verbindungsaufbau erfolgte damals durch Piepen und Pfeifen, dass irgendwann immer schneller wurde und in ein Rauschen überging, wenn die Verbindung hergestellt war. Genauso überträgt auch das Funkgerät Daten an einen Computer an Land, der ebenfalls mit einer Funkanlage ausgerüstet direkt mit dem Internet verbunden ist.
Als E-Mailprogramm dient dem Pactor Modem die kostenlose Software Airmail, die nebenbei auch in der Lage ist, Wetterfaxe und Wetterfunkfernschreiben zu empfangen. Selbst Gribfiles und Wettervorhersagen lassen sich darüber per E-Mail abrufen. Wohin Sie sich mit Airmail verbinden, hängt im Wesentlichen davon ab, ob Sie eine Seefunkanlage oder eine Amateurfunkanlage betreiben. Technisch unterscheiden sich die Geräte nur wenig, vor allem arbeiten sie auf unterschiedlichen Frequenzen.
Lizenzierte Funkamateure dürfen mit ihrem Rufzeichen die kostenlosen Dienste des „Winlink“-Netzes nutzen. Seefunkern (Inhabern eines LRC) steht unter anderem der kommerzielle Dienst Sailmail (www.sailmail.com) für einen Jahresbeitrag von derzeit 250 $US zur Verfügung. Beide Dienste unterhalten Stationen in der ganzen Welt, so dass theoretisch überall auf dem Globus der Mailaustausch unabhängig von Landverbindungen möglich ist. Mit Kielradio gibt es auch einen deutschen Anbieter, der sich meines Wissens nach jedoch vornehmlich an die kommerzielle Seefahrt richtet.

Einzig im Umfang der Nachrichten bestehen Einschränkungen, die sich aus allein aus der Geschwindigkeit ergeben: Bei schlechten Bedingungen benötigen zwei Seiten Text durchaus einige Minuten für eine Übertragung. Im Normallfall sind es jedoch weniger als 30 Sekunden. Daher ist der Versand von Anhängen wie Bildern nur sehr eingeschränkt möglich. Den Empfang großer Nachrichten unterbindet das System komplett. Dies ist vor allem eine Sicherheitsfunktion, um böse Überraschungen in Form blockierter Postfächern mitten auf dem Atlantik zu vermeiden. Lange Mails kürzt der Server auf 35 Kilobyte (ca. zehn DIN A4-Seiten Text!) und entfernt alle Anhänge automatisch.

Anders als bei Sat- oder Mobil-Telefonen ist für Kurzwellenanlagen ein professioneller Einbau und die individuelle Anpassung an das jeweilige Boot sinnvoll. Die Beratung durch einen Fachhändler ist daher dringen zu empfehlen. In meinem Fall war Michael Wnuk (www.lunatronic.net), der mich bei der Auswahl der Technik und auch bei der Installation mit seinem Know-how sehr unterstützt hat.

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