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von Hinnerk Weiler / am 19.03.2010 / in , ,

Mit Tamtam von Freunden und Kollegen läuft Paulinchen nach fünf Monaten wieder aus dem Hamburger Hafen aus. Durch die ungünstigen Tidenzeiten und wenig Motivation, bei den aktuellen Temperaturen unnötig lange Schläge zu unternehmen, sind die Etappen auf der Elbe eher kurzer Natur. Von Hamburg nach Stade geht es gegen fünf Bft. gegenan. Der Ebbstrom schiebt, sorgt für gehöriges Tempo und hässliche Wellen. Kinga, die mich bis Cuxhaven begleitet, nimmt fünf Minuten nach dem Auslaufen beim Fender einholen das erste Bad in der Bugwelle einer Fähre.

Mein Eindruck von der Elbe: Man wartet noch auf den Frühling. In Stade gibt es immerhin vom zufällig anwesenden Hafenmeister den Tipp: „Die Stromsäulen sind zwar abgedeckt, aber eingeschaltet“. Weniger Spaß hatten wir am nächsten Tag mit der Klappbrücke über die Schwinge auf dem Weg nach Glückstadt. Anderthalb Stunden Kreisen, bei einem Knoten Strom, mit einem knapp zehn Meter langen Boot und einem rund 20 Meter breiten Fluss mit seichten Ufern. Zeit, mal wieder Werbung für mein Lieblingsbuch zu machen: „Der Jachtfunkdienst“ vom BSH. Denn alles Kreisen und Tuten nützte nichts. Erst der Anruf mit dem Mobiltelefon brachte Erleuchtung: „Ich bin hier nur Vertretung und irgendwas stimmt mit dem Computer nicht, aber ich habe schon jemanden angerufen und in 20 Minuten kommt einer der sich auskennt.“ – Kommentar von der Seite: „What are you sinking about?“…

Fischkutter im Nebel hinter der Elbinsel Rhinplatte bei Glückstadt

Morgennebel hinter der Rhinplatte bei Glückstadt

Den Tidenzeitplan für die Weiterfahrt war damit Geschichte. Immerhin erreichen wir Glückstadt bei Stillwasser, aber im Dunkeln. Diesmal ein Glücksfall: Die Fahrwasser nach Glückstadt sind noch nicht betonnt. Aber zumindest die Sektorenfeuer funktionierten – und waren dank der Uhrzeit auch schon gut zu erkennen. Im Hafen dann nichts außer blanke Kaimauern. Nur der Zollsteg war im Wasser und der ist komplett belegt mit den wichtigen Dingen der Seefahrt: Zoll, Fischereiaufsicht, Polizei, WSA… Einzige Alternative: Festmachen an der einzigen Brücke, die auf einem Schwimmer im Hafenbecken endet. Dabei hatte ich mich innerlich schon darauf eingestellt, im Takt der Tide die ganze Nacht hindurch Leinen fieren und holen zu müssen.

Winterschlaf auch in Brunsbüttel. Per Funk von der Elbe aus an der Alten Schleuse zum Nord-Ostsee-Kanal angemeldet: „Guten Morgen, wir würden gern durch die Schleuse zum Yachthafen“. – „Geht gleich los“, die prompte Antwort. Zwei Minuten später dann Signal „Einfahren frei für Sportboote“. Hinter der Schleuse dann die kleine Überraschung: Die Zufahrt zum Yachthafen ist durch einen quergestellten Ponton verschlossen. Warum sollte man eine Yacht, die sich zum Yachthafen anmeldet, darüber informieren?! Mehr aber ärgert mich, dass die einzige Anlegestelle für Sportboote im ganzen Bereich Brunsbüttel einfach zugemauert wird. Es würde ja genügen, Strom, Wasser und Sanitärgebäude stillzulegen, wie es auch die anderen Hafenbetreiber machen. Zumal die privaten Anleger in Brunsbüttel, die ein Stück weiter den Kanal hinauf liegen, ihr Schlengel an Land liegen haben.

Es blieb also zu wählen: Durch die Schleuse zurück nach Glückstadt (weil auf der Elbe mittlerweile auflaufendes Wasser setzt) oder zwanzig Kilometer in den Kanal zur nächsten Liegestelle für Sportboote. Wir entscheiden uns für letzteres – Wir haben ja Zeit 🙂 – und liegen nun gemütlich vor Anker.

An Bord jedenfalls ist Winterschlaf ein Fremdwort: Die frische Luft macht müde, keine Frage. Aber die Sonne knallt geradezu herunter – 17 Grad unter Deck und zum ersten mal seit November schalte ich die Heizung tagsüber aus.

von Hinnerk Weiler / am 10.03.2010 / in
von Hinnerk Weiler / am 09.03.2010 / in ,
von Hinnerk Weiler / am 07.03.2010 / in