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von Hinnerk Weiler / am 15.10.2009 / in

Und da ist nun das rührende Gefühl. So fühlen sich das Weiche in den Knien an. Über der Elbe liegt ein leichter Dunst, wie es sich für einen schönen Tag an meinem “Heimatfluss” gehört. Obwohl ich meine wenigen Segeltörns in diesem Revier beinahe mit Fingern abzählen könnte, bin ich doch irgendwie immer mit diesem Fluss verbunden gewesen. Als Segelrevier hat dieser Fluss etwas Majestätisches, mal geächtet, mal geachtet, mit der Tide als immerwährendem Gesetz.

Elbe

Elbe

Das beginnt damit, dass man nicht aufsteht und lossegelt, wenn es einem passt, sondern wenn es dem Fluss passt. Und der bittet um kurz nach acht Uhr morgens zur Audienz. Fast zwei Meter geht es langsam in der Schleuse abwärts, dann ist das Niveau des Elbe-Niedrigwassers erreicht. Hellbraun vom Sediment der trockenfallenden Sandbänke fließt noch der letzte Reststrom in Richtung Nordsee, dann geht es schnell. Aus 2,5 Knoten zu Beginn werden innerhalb einer Stunde 9,5 Knoten auf dem GPS – bei etwa drei Windstärken und lausig getrimmten Segeln. Rund fünf Knoten spendiert seine Majestät für den Ritt Richtung Hamburg. Statt fünf Stunden bis zur Mündung der Schwinge bin ich bereits nach knapp der halben Zeit vor Einfahrt in den gut geschützten Tidenhafen von Stade. Nicht wie geplant kurz vor Hochwasser, sondern mitten im auflaufenden Wasser. Paulinchens Nase zeigt geradewegs auf das abweisende Geröll am Elbufer, die Spundwände der Mündung liegen etwa 45 Grad an Backbord. “Ich kann’s noch”, murmle ich nicht ganz ohne Stolz und schlüpfe ohne Hundekurve in die Rund 20 Meter breite Mündung. – Tidensegeln, ob man es nun lieber ächtet oder achtet, ist eine Herausforderung. Erst recht nach einem halben Jahr auf der Ostsee. (mehr …)

von Hinnerk Weiler / am 15.10.2009 / in ,