Sinnsuche

von Hinnerk Weiler am 03.07.2009 / in Zwischennotizen

Kurz hinter der Stubnitz kommt der Hafen von Saßnitz. Die Kreidefelsen an Rügens Ostküste geben erst die Sicht auf die fast einen Kilometer lange Außenmole frei, dann erscheinen die Häuser am bewaldeten Hang. Ich segele mit Backstagsbrise um die vom Sonnenlicht gelblich gefärbten, im Schatten grau daliegenden Felsen. Irgendetwas muss es doch mit mir machen, diese Küste zu umrunden von der immer alle Schwärmen. Doch nichts in mir verändert sich. Ich fahre dichter. Jahrzehntelang waren die Leuchtfeuer Rügens für die Schiffahrt eher mahnendes Zeichen Abstand zu halten, heute hält lediglich eine halbe Meile Naturschutzgebiet um die Küste den Skipper in etwas zurück. Früher bedeutete für Urlauber an der Küste ein Faltboot im Rucksack Gefängnis, heute drehen Ausflugsdampfer ihr Runden zwischen den Schlauchbooten der Angler. Es sind nur die Umstände, die sich an Orten wie diesem ändern. Ich bin, am östlichen Rand der Bundesrepublik angekommen, genauso derselbe, wie die Felsen hier schon dieselben waren bevor es diesen oder andere Staaten gegeben hat.
Der Hafen von Sassnitz war früher die Heimat einer großen Fischereiflotte. Die Trawler des Arbeiter- und Bauernstaates sind mittlerweile jedoch genauso abgewrackt wie die Staatsform selbst, und auch die anschließend im Hafen angesiedelte Fährverbindung nach Schweden ist in neue Anlagen weiter südlich umgesiedelt. Was geblieben ist: Eine futuristische, deplatzierte Fußgängerbrücke zum Fähranleger. Ein Zeichen von der Hoffnung, mit Fähren den Hafen beleben zu können. Doch seit sie weg sind, scheint der Hafen in denselben Dämmerschlaf verfallen zu sein, in dem auch die Kleinstadt liegt. Das lang gezogene Hafenbecken dominieren die verfallenen Anleger und verlassenen Anlagen. Darüber vereinzelt renovierte Häuser in prominenter Hanglage zwischen dem Grau grob verputzter Fassaden.
Für Sportboote ist – anders als in den Delius Klasing Karten und den Revierführern beschrieben nur noch die lange Mole zu nutzen. Dort, wegen des bei Südwest in den Hafen stehenden Schwells, liegt man allerdings längs zur Mole etwas besser geschützt und auch das Schild „Sportboote“ hat lediglich Symbolcharakter. Festgemacht wird da, wo Platz ist. Und spätestens wenn der Hafenmeister Geld kassiert hat, darf der Liegeplatz wohl als genehmigt angesehen werden.

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