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von Hinnerk Weiler / am 30.07.2009 / in

Für den Grundton über Hanko an Finnlands Südküste sorgt das Heulen des Windes in den Riggs zahlloser Yachten. Vor uns liegen knapp 70 Meilen Richtung Südosten. Halber Wind mit elf Metern pro Sekunde weht laut Vorhersage aus Westen durch den Golf von Finnland. anderthalb Meter hoch schiebt er außerhalb der Landabdeckung das Wasser übereinander. Mit dem Groß im ersten Reff und der Fock am Kutterstag rauschen wir los. Fünf Knoten, Sechs Knoten, immer wieder taucht kurz die sieben auf dem GPS auf. Paulinchen segelt nicht durch die Welle, sondern rollt ununterbrochen von einer Seite zur anderen. Magenunfreundliches Wetter – die Aufenthalte unter Deck werden auf ein Minimum reduziert, die Küche bleibt kalt. Viel Obst und Vitamine helfen, das Frühstück weitgehend vor den Fischen zu verbergen.

12 Stunden später rauschen wir in die Hafeneinfahrt von Tallinn. Verkehrstrennungsgebiete, die Routen der Schnellfähren, ankernde Frachter und eine mondlose Nacht machen das Einlaufen zu einem Erlebnis. Wieder zeigt sich: Eine gut befeuerte Marina vor einer hell erleuchteten Stadt bei Nacht anzulaufen ist einfacher, als bei Tag unbekannte Molenköpfe zu entdecken. Ich sitze an Deck und schaue auf die Lichter der 400.000 Einwohner zählenden Hauptstadt Estlands. Für mich ein magischer Ort. Hier verlasse ich zum ersten Mal auf diesem Törn meine Komfortzone. Blicke gespannt auf die kommenden Tage: Was ist noch übrig vom „wilden Osten?“ Schwedisch kann ich aus meinem Dänisch oft herleiten. Englisch kann fast jeder Skandinavier. Wie wird es hier sein? Auch landschaftlich erwarte ich nicht die wilde Romantik der Schärenlandschaft vergangener Wochen, sondern baufällige Anleger und rostige Kähne. Der Yachthafen von Tallinn erfüllt meine Erwartungen. Als Olympiazentrum in den 80ern angelegt, wirkt er einladend wie das Kieler Olympiazentrum. Nur dass hier der Putz von den Wänden kommt und die harten Winter den Asphalt längst tausendfach aufgebrochen haben. Es wird drei Uhr nachts, ehe der Bojenhaken am Heck in einen Ring klickt und die Leinen am Bug fest sind. Zeit zu schlafen und vom Abenteuer zu träumen.

von Hinnerk Weiler / am 30.07.2009 / in
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