Schleimünde

von Hinnerk Weiler / am 11.05.2009 / in Zwischennotizen

Sechs Jahre werden vermutlich ins Land ziehen bis ich wieder nach Schleimünde komme. Vieles wird sich an diesem an diesem besonderen Ort an der Ostsee bis dahin verändert haben, wenn gegenüber der Lotseninsel im ehemalige Marinehafen eine in eine hochmoderne Ferienanlage entstanden ist. Auch, wenn es hier so recht niemand wahrhaben will, wird das nicht spurlos an der gemütlichen kleinen Hafenanlage mit ihren eignenen Sitten und ihren ganz besonderen „Dauerliegern“ vorbei gehen. Grund genug, der „Giftbude“ noch einen Besuch abzustatten.

Paulinchen segelt mit 4 Knoten nur unter Genua durch das Fahrwasser der Schlei und die offene Ostsee ist bereits zum Greifen nahe. Einen Moment lang überlege ich einfach den schwarz-weißen Leuchtturm an mir vorüber ziehen zu lassen und vor dem achterlichen Wind durch die Nacht in Richtung Fehmarn zu segeln. Dann biege ich aber doch in die kleine Hafeneinfahrt und mache fest. – Zum Glück!

Kaum eine Stunde später zieht von Kappeln her eine pechschwarze Wand herauf, es blitzt, es donnert und der Himmel öffnet Schleusen und Wind-Pforten. Hagel prasselt auf das Deck, an der eilig aufgebauten Kuchenbude zerren orkanartge Böen. Beruhigend zu wissen, dass sie das alles problemlos wegsteckt. Die Heckleine ist einer Gitarrensaite gleich gespannt und die segeln-Flagge im Top zieht das Boot ein gutes Stück nach Backbord. Eine Stunde lang dauert der Spuk, dann lässt der Wind langsam nach und aus der über uns hereingebrochenen Nacht wird wieder die abendliche Dämmerung mit Vollmond und in den ersten Sternen, die am Himmel leuchten.

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Auf die wenigen Boote, die um diese Jahreszeit bereits hier liegen kehrt Leben zurück. Festmacher werden überprüft, man trifft sich auf dem Steg, lernt sich kennen, einige Flaschen Bier tauchen aus einer Backskiste auf und eine Tüte Chips macht die Runde. Wie immer entwickeln sich die schönsten Abende spontan, sind improvisiert und dauern bis weit nach Mitternacht. Man freut sich, dass alles gut gegangen ist und einzig die Scheinwerfer der Hubschrauber, die vor Eckernförde auf der Suche nach einem vermissten Angelboot hin und her wandern, erinnern noch Stunden später an das durchgezogene Unwetter.

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