Jungfernfahrt mit Hindernissen

von Hinnerk Weiler / am 11.05.2009 / in Europa

So hatte ich mir die ersten Tage auf See sicher nicht vorgestellt: Auf dem Kocher beginnt gerade das Kaffeewasser zu kochen, die Frühstücksutensilien stehen aufgereiht neben der Kühlbox und das tiefe Brummen eines großen Motors weckt meine Aufmerksamkeit. Durch den Niedergang sehe ich gerade noch den Seenotrettungskreuzer Nis Randers Richtung Ostsee herausfahren, dann fällt mein Blick auf einen dunklen Streifen hinter der flachen Mole des Hafens. Die Heckwelle des Kreuzers ist gigantisch, läuft ungebremst über die flache Mole und direkt achterlich auf die vorne am Steg liegenden Boote zu. „Feuer aus und festhalten“ denke ich und in dem Moment fliegt auch schon der Kessel vom Kocher auf den Boden, gesellt sich zu Käse, Brot und Butter. Das Heck hebt sich gefühlt einen Meter, dann Rucken die Festmacher ein und es gibt einen ohrenbetäubenden Knall.

„War es teuer“, frage ich beim verlassen des Bootes und da fällt auch schon mein Blick auf das Vorschiff – ja, das wird teuer: Der Schwung der Welle hat das Heck soweit angehoben, dass der Bugkorb unter den Steg gedrückt ist. Beim anschließenden Aufrichten ist der komplette Beschlag aus dem Bug herausgerissen. Das wird nicht nur teuer, das bedeutet einen Werftaufenthalt, Teile anfertigen lassen und mindestens eine Woche Verzögerung auf dem Weg nach Finnland. Auch die anderen, die sich am Steg einfinden sehen etwas gerädert aus, sind entweder von dem Minni-Tsunami aus dem Schlaf gerissen worden, oderhaben ihren Kaffe vom Boden aufgewischt. Nebenan sieht der Bugkorb nicht viel besser aus als meiner. Die DGzRS-Leitstelle muss vertrösten: „Kann ichleider nichts zu sagen. Aber ich nehme das auf und am Montag muss das dann die Verwaltung klären“, lautet die Auskunft am Telefon.

So ärgerlich die Sache ist, bei einem sind sich am Steg alle einig: Es ging um Menschenleben und das hier ist nur ein Sachschaden. (Inzwischen hat die DGzRS bestätigt, dass man sich dort unbürokratisch um die Regulierung kümmern wird.)

2 Kommentare

  • Uwe says:

    Mensch Hinnerk,

    das ist ja echt Pech mit dem Bugkorb. Ich wünsch Dir, dass das der letzte Bruch auf deiner Reise ist!
    Ich bin Dein Nachbarlieger in Kappeln… der mit dem verkaterten Ableger….
    Die morgendliche Apettitlosigkeit war unser einziger Ausfall auf unserer kurzen Tour…
    Aber in Marstal sah man in Streifen gerissene Genuas als die Crew zum Essen gegangen war. Man sagt, die meisten Unfälle passieren in Landnähe – aber am Steg???
    Hoffentlich ist das mit dem Angelboot glimpflich ausgegangen!

    Mast und Schotbruch und ne handbroid Wasser…
    Uwe

  • Frank Seidel says:

    Oje, das ist ja gruselig! Da kann ja gleich der Ankerkasten mit eingebaut werden. Ich drück die Daumen!