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von Hinnerk Weiler / am 30.10.2008 / in ,

Nach einem anstrengenden Tag im Juni 2005 segelte ich erschöpft in die Bokö Hamnvik (58° 05,98’N/016° 49,51’E). Seit einigen Wochen war ich nun schon unterwegs und hatte mich von Neustadt in Schleswig Holstein langsam an Schwedens Ostküste nach Norden gehangelt. Vor mir lag noch der Götakanal, der quer durchs Land zur Westküste führen würde, die beiden großen Seen Vänern und Vättern im Landesinneren, das Kattegatt und letztlich das Ziel dieser mehrmonatigen Fahrt: der dänische Limfjord. Mein damaliges Schiffchen, die Sumpfkuh hatte sich trotz ihrer miserablen Amwind-Eigenschaften auf der 35 Seemeilen langen Kreuz gut geschlagen. Ich war zufrieden mit dem Boot, das trotz seiner Länge von nur sechs Metern für diesen Sommer mein Zuhause sein würde.

Mit niedergeholtem Groß und ausgerollter Genua besuchte ich an diesem Tag einen Flecken Erde, den ich niemals wieder vergessen werde: Umgeben von hohen, bewaldeten Bergen lag vor mir ein kleiner Naturhafen mit einer Schmalen Einfahrt. Eine Ort, der direkt in Tolkiens Mittelerde hätte liegen können. Der Wind außerhalb der Felsen kräftige Wind genügte hier gerade noch, um das Kielwasser hinter mir leicht zu kräuseln. Ich schlich auf eine flache Stelle am Ufer zu und genoß die friedliche Stille des Sees. Eine kleine Landzunge im südlichen Teil schien mir ein guter Platz für die Nacht zu sein, und ich ließ den Heckanker fallen, rollte die Genua ein und lies mich mit dem restlichen Schwung Richtung der Felsen treiben. Ein Satz an Land, etwas gegen den Bugkorb drücken, und schon konnte ich das Boot für die Nacht an einem Baum vertäuen. Wenig später dampfte neben mir eine Tasse frisch aufgebrühter Tee, und ich ließ den Tag noch einmal passieren. (mehr …)