Das Boot

Paulinchen habe ich im Frühsommer 2008 zum ersten Mal gesehen. Ich hätte sie vom Fleck weg gekauft, doch leider fehlte mir damals das nötige Geld. So musste ich nach dem Probesegeln und wochenlangen Rechnen leider einsehen, dass es mit uns beiden erst einmal nichts werden würde.

Silent Street of DoverFast ein halbes Jahr später, genau einen Tag nachdem ich meinen Entschluss zu der Reise gefasst hatte, erhielt ich dann die Nachricht, daas sie noch zu haben war – und auch, dass der Kaufpreis sich meinem Budget mittlerweile deutlich angenähert hatte. Mit reichlich Hilfe meiner Familie und nach einem zähen Vormittag bei der Bank waren die Voraussetzungen für den Törn meines Lebens geschaffen. Ich konnte den Kaufvertrag unterschreiben.

 

Technische Daten

  • IW31 Risszeichnung

    IW31 Risszeichnung

    Länge über Alles:31 Fuß (9,30 m)

  • Länge Wasserlinie:22 Fuß (6,70 m)
  • Breite:9 Fuß (2,70 m)
  • Tiefgang:1,65 m (mittlerweile eher 1,85)
  • Verdrängung:3,8 t (ohne Weltreiseausstattung)
  • Kielgewicht:1,6 t
  • Ballastanteil:42%
  • Groß: 15,7 m2
  • Rollgenua: 28 m2
  • Parasailor: 67 m2

Motor

  • Yanmar 2GM20 MotorHersteller: Yanmar
  • Typ: 2GM20
  • Zylinder: 2
  • Leistung: 18 PS (13,3 kW)
  • Propeller: Variprop – 3 Flügel Drehpropelle
  • Tank: 45 l (ca.40h Marschfahrt)
  • Werft: IW-Varvet (Henan,Schweden)
  • Baujahr: 1971
  • Konstrukteur: Sparkman & Stephens
  • Design Nr.: 1899
  • Design Jahr: 1963

Die schwedische IW-Varvet baute das Modell IW 31 in den Jahren 1968 bis 1985. Paulinchen gehört mit Baujahr 1971 also schon zum fortgeschrittenen Stadium der Klassengeschichte.

Excuse me, is she a Swan?

Konstruiert wurde sie von dem berühmten Designbüro Sparkman & Stephens, in dem auch lange Zeit die legendären Risse für Swan entworfen wurden. Die Verwandtschaft zu diesen eleganten Linien ist bei der IW 31 kaum zu verkennen und immer wieder spricht mich jemand in einem Hafen an: „Excuse me, is she a Swan?“

Paulinchen auf dem Lake MichiganDer von Designer Rod Stephens als „Ocean Racer“ betietelte Entwurf der IW 31 macht vor allem an der Kreuz eine gute Figur. Damit ist die Yacht auf meinem Kurs, der häufig abseits der Passatwinde führt, eine gute Wahl. Allerdings bedeuten klassische Linien auch: Wenig Freibord und wenig Platz unter Deck. In achterlichem oder halbem Wind auf dem Atlantik gurgelt es daher häufig mal in den Lenzrohren im Cockpit. Auch an der Kreuz rollen ab 20 Knoten Gegenwind öfter mal die Wellen einfach übers Deck. Dafür fällt das Knallen in die Wellen dank den tiefen V-Förmigen Rumpfes weg. Man döst also entspannt unter Deck und steckt nur alle 20 Minuten den Kopf raus, um Ausguck zu halten.

Kleine Macken

Ganz ohne Minuspunkte kommt sicher kein Boot daher. Was mit Blick auf „Langfahrt“ sicher für viele Crews ein K.O. Kriterium sein dürfte: Es gibt wenig Platz an Bord. Vor allem die Backskisten im schmalen und weit überhängenden Heck bieten kaum den nötigen Platz, um das Boot mit allem erforderlichen auszurüsten. Unter dem Gesichtspunkt Gewichtstimm wird man es ohnehin unterlassen, im Heck allzuviel Schweres unterzubringen. Aber auch unter Deck geht e recht eng zu. Auch die Kojen sind eher auf Personen um 1,80m zugeschnitten, als auf meine 1,93m. Weiterer Platz geht verloren, da unter dem Vorschiff serienmäßig ein großer Wassertank mit 150L untergebracht ist. Der schafft allerdings Unabhängigkeit, denn ich alleine brauche rund anderthalb Monate, um ihn leer zu bekommen.

Echte Punktabzüge muss es für die Lenzrohre im Cockpit geben. Sie sind „knapp“ bemessen, und die zugehörigen Seeventile sind nur erreichbar, wenn man zuvor den Motor demontiert. (Daher habe ich sie vor dem Törn komplett umgebaut.) Auch die Dichtigkeit der IW ist nicht unbedingt legendär. Was ich zuerst für eine Macke von Paulinchen hielt, wurde mir mittlerweile von verschiedenen Seiten bestätigt: In die Bilge einer IW gehört scheinbar immer ein kräftiger Schluck Wasser. Der Grund scheint die lange hölzerne Fußleiste zu sein.

Paulinchen in der Morgensonne auf dem Lake Michigan vor der Skyline von Chicago Foto: Kinga Rekowska

Paulinchen vor Chicago

Weitere Links zu anderen IWs:

(Ich freue mich, hier weitere IW Eigner und ihre Boote aufzunehmen)