Ausrüstung

Am Anfang der Planung einer langen Reise stand bei mir, eine endlos lang erscheinende Liste mit Dingen die nötig erscheinen. Und gerade in dieser Phase ist das Budget in aller Regel knapp*), die Zeit drängt und daher ist es umso wichtiger, bei der Auswahl der Ausrüstung sehr sorgfältig vorzugehen. alles, was auf der Ausrüstungsliste stand, ließ sich dazu recht einfach in drei Gruppen einteilen: „Jetzt wichtig“, „später wichtig“ und „Luxus“. Für Paulinchens Ausstattung Ausrüstung, die ich bis zum erreichen der USA benötigte, war „Jetzt wichtig“, alles was ich erst danach brauche bekam den „Später Wichtig“ Stempel und am Ende der Prioritätenliste stand dann „Luxus“.

*) nicht, dass das unterwegs irgendwann ander werden wird…

Die ersten Jahre meiner Reise bin ich mit diesem System relativ gut gefahren. Doch mit der Zeit drängen auch einige der „Luxus“ Artikel wie Seifenblasen auf der Wunschliste nach oben.

Ich habe daraus eine weitere Gruppe von Dingen gemacht: Wichtiger Luxus. Denn wo Verzicht spürbar wird, sinkt der Spaß am Reisen. Aber dazu später mehr.

Unmittelbar wichtige Ausrüstung ist und bleibt alles, was Paulinchen autark hält. Bei diesen Dingen gibt es wenig Spielraum für Kompromisse: Trinkwasser muss ausreichend vorhanden sein und die Batterien sollten zumindest einige Tage am Ankerplatz voll bleiben. Eine Herausforderung auf einem Boot, dass nicht viel Platz für große Tanks, Batterien und Vorräte hat.

Bei der Auswahl von Produkten versuche ich den klassichen Mittelweg zu gehen: Preiswert – nicht billig. Das Teuerste scheidet meist genauso aus, wie das Billigste. Dazwischen entscheiden Verarbeitung, durchdachte Lösungen und natürlich auch ein Weltweit funktionierender „After-Sale-Service“.

Auf Paulinchens knappen Maßen sind dabei natürlich Kompakte und leichte Bauform wichtig. So schön ihre Linien sind und so stolz man ist, wenn ihr klassischer Rumpf in vielen Häfen Bewunderung findet: Für ein Langfahrtschiff ist sie leider vollkommen unpraktisch. Aber gerade das macht irgendwie auch einen Teil des Reizes aus, mit ihr über Ozeane zu segeln.

Segel

Segeln in den Sonnenuntergang

Abendsegeln auf der stillen Ostsee

Wind gibt es glücklicherweise überall und wenn man genügend Zeit mitbringt, kommt man auch heute noch mit einem aufgespannten Badelaken auf einem Holzfloß um die Welt. Eine für Langfahrt optimierte Segelgarderobe umfasst allerdings mehr: Die normle Besegelung aus Groß und Genua stammt von CO-Segel aus Arnis. Wird es Knackig, ermöglicht eine Stagreiter-Fock am zweiten Vorstag sicheres „Reffen“. Diese Kombination aus verschieden großen Segeln statt nur einer Rollanlage hat sich bei Fast-Flaute auf der Ostsee genauso bewährt, wie in 40 Knoten auf dem Atlantik. Unverzichtbar ist dabei die dritte Reffreihe, die ich vor dem Start Richtung Atlantik noch im Groß hinzufügen ließ.

Das zweite Vorstag, ein Dyneemafall mit Pelikanhaken, löst zwei Probleme: Auf einem schmalen Vorschiff wie dem von Paulinchen ist es quasi unmöglich eine Genua beim Segelwechsel so zusammenzulegen, dass sie hinterher nicht die komplette Kajüte ausfüllt. Sie bleibt daher angeschlagen. Nimmt der Wind zu, wird sie einfach weg gerollt und statt eines Segelwechsels kommt das zweite Vorstag zum Einsatz. Kleinere Vorsegel werden daran ganz konventionell mit Stagreitern angeschlagen und per Spi-Fall gesetzt. Ein Prinzip, dass sich als Standard-Besegelung bereits hundertfach bewährt hat.

Modellzeichnung des Parasailor von ISTEC

Modellzeichnung des Parasailor

Downwind geht es mit dem Parasailor von ISTEC. Stattliche 67 Quadratmeter Segelfläche ziehen dann Paulinchen über das Wasser. Auf meinem bisherigen Kurs bin ich leider nur selten in den Genuss gekommen, ihn über längere Zeiträume zu setzen. Dennoch ist mein Fazit recht simpel: Hochziehen und Vergessen. Dank des elf Quadratmeter großer Flügels hat das Segel mehr Auftrieb als normale Spis. Es fällt nicht so schnell zusammen und steht ausreichend Stabil, dass ich in Verbindung mit der Windsteueranlage die Schoten belege und mich bei schlechtem Wetter in die gemütliche Kajüte verziehe. Das schont erheblich die Nerven auf einem kleinen geigenden Schiff. Nur mit dem Bergeschlauch stehe ich etwas auf Kriegsfuß. Setzen und Einholen des Segels sind bei allen Bedingungen (inkl. plötzlicher Gewitterböen auf dem Atlantik) traumhaft einfach und schnell. Allerdings verhindert der Trichter, dass man den Segelsack als bequemes Kopfkissen in der Vorpiek nutzen kann und passt gerade eben durch das Vorluk.

Wenig Erfahrung (tock, tock, tock) habe ich mit dem GaleSail von Proyacht. So gern ich darüber etwas mehr schreiben möchte, mag ich mir die dazu erforderlichen Windbedingungen nicht wünschen. So sind bisher nur trockenübungen mit der Sturmfock vorgekommen. Kommt das Segel zum Einsatz, weht es heftig – und auch zu stark für das Stagreitersegel. Das Groß ist dann – wenn überhaupt noch gesetzt – im dritten Reff. Das Das Gale-Sail wird um die aufgerollte Genua geschlagen und mit einem Reißverschluss gesichert. Dann heißt es: Dichtholen und aussitzen.

Trinkwasser

Ein dünner Strahl Trinkwasser rinnt in den Kanister

Ein dünner Strahl Trinkwasser rinnt in den Kanister

Die größte Gefahr sah ich lange auf Ozeanpassagen und in abgelegenen Revieren im Mangel an Trinkwasser. Ein Problem, für das ich bei Katadyn ein passendes Gerät gefunden habe: Der fest installierte PowerSurvivor 40E kann im Notfall auch manuell betrieben werden. Er funktioniert also selbst ohne Strom. Zum ersten Mal kam er auf den Bahamas zum Einsatz. – Aus Versehen, ohne Not. Einfach, weil ich vergessen hatte, für 40 Cent pro Gallone in Nassau Wasser zu bunkern. Ein komisches Gefühl, wenn die Frischwasserpumpe 100km vom nächsten Wasserhahn plötzlich trocken läuft. Aber eine Strunde später rann bereits ein dünner Strahl Trinkwasser in einen Kanister. Den 150 Liter Wassertank mit dem kleinen Gerät zu füllen würde allerdings rund 30 Stunden dauern. Doch mehr als zehn Liter Frischwasser haben wir auch zweit am Tag nicht benötigt. Und die sind in zwei Stunden hergestellt. Nur das Mitnehmen ist etwas unpraktisch. Daher befindet sich noch ein etwas kleineres Modell Survivor 06 in der Tasche mit der Notfallausrüstung für die Rettungsinsel.

Seenot

Plastimo Trans Ocean Rettungsinsel im Wasser

Wann weiß man schon, wie seine Rettungsinsel aufgeblasen aussieht

Woran niemand denken mag, kostet in der Vorbereitung viel Zeit, Geld und Nerven: Notfallpläne. Dazu gehört natürlich vor allem das Überleben auf See zu sichern, wenn ich aus welchem Grund auch immer Paulinchen einmal aufgeben muss. Mit der Transocean-Rettungsinsel von Plastimo habe ich mich für einen alten Bekannten entschieden. Die Insel hatte sich beim segeln-Rettungsinseltest im Marine Ausbildungszentrum Neustadt deutlich durchgesetzt. Doch auch auf weniger kritische Fälle muss man vorbereitet sein: Die ausführliche Aufstellung von Strecktauen und Livelines, Rettungswesten, Signalraketen, usw. würde aber eine eigene Seite füllen…

Windsteuerung

Segeln ist die einzige Sportart, in der man auch schlafend voran kommt. Vor allem, wenn man Hilfsmittel hat, die für den richtigen Kurs sorgen. Die beau-fort Windsteuerung hat dabei nach dem Ausfall des elektronischen Pinnenpiloten in den Stockholmer-Schären sogar unter erschwerten Bedingungen beste Ergebnisse erzielt. In engen Schärenfahrwassern, in denen der Wind hinter jedem Stein aus einer anderen Richtung weht, ist zwar häufiges Korrigieren erforderlich, aber trotzdem ist Paulinchen immer sicher auf ihrer Route gewesen. Doch gemacht ist eine Windsteuerung ganz klar für lange Schläge auf See: Einmal eingestellt, bleibt der Kurs immer optimal zum Wind. Einziger Haken: Das Ganze arbeitet so gut, dass man leicht vergisst gehörig Ausschau zu halten.

Tauwerk

Schamfielen am Umlenkblock - zerschlissenes Tauwerk

Statt eingespreißtem Drahtvorlauf ist das neue Großfall komplett aus Dyneema

Etliche hundert Meter Reservetauwerk muss heute niemand mehr auf eine Fahrtenyacht mitnehmen, einen zweiten Satz Schoten allerdings schon. Denn für Langfahrt ausrüsten bedeutet sicher ausrüsten. Moderne Materialien sind bei sorgfältiger Auswahl und richtigem Einsatz hartnäckig gegen Verschleiß durch Schamfilen, Ausrecken und die UV-Strahlung in sonnigen Revieren. Beispielsweise die Liros Dyneema Fallen, die morsche Drahtvorläufe an Fallen überflüssig machen. Vor dem Start Richtung Atlantik ist daher das laufende Gut komplett getauscht worden.

Kommunikation

LogoDer „Draht an Bord“ läuft natürlich nicht als endlose Kabelrolle ins Kielwasser, sondern führt unsichtbar durch die Luft. Die Wahl der passenden Ausrüstung dafür dauerte recht lange. Auf der einen Seite stand die einfache und gegen Störungen recht robuste Technik eines Satelliten-Telefons. Aber mein Herz schlug schon immer für eine weit komplexere, aber eben auch vielseitigere Kurzwellenfunkanlage. Meine Wahl fiel daher auch ein Kurzwellengerät, oder wie man in Cruiserkreisen (fälschlich) sagt, ein „SSB-Radio“. Bei der Auswahl der Anlage und auch beim Einbau stand mir „Iron Lady“ Skipper Michael Wnuk mit seinem Shop Lunatronic sehr hilfreich zur Seite. Über das Thema Kurzwelle an Bord kann man viel schreiben. Die Erfahrungen mit Pactor, E-Mail, und Sprechfunk fasse ich zur Zeit zusammen. Mehr gibt es demnächst auf einer extra „Funk“-Seite.

Dass dieser „Draht“ übrigens auch funktioniert, kann hier gerne getestet werden.

Heizung

Weite Strecken abseits der üblichen Yachtrouten: Immer wieder führt Paulinchens Route auch in kalte Regionen. Die Webasto Dieselheizung an Bord sollte dort Mut und Zuversicht aufrecht erhalten, denn nichts ist wichtiger als an kalten und verregneten Tagen einen warmen Platz unter Deck zu haben. Das hat sich unerwartet früh gezeigt. In Paulinchens erstem richtigen winter im Wasser fiel das Thermometer auf bis zu -14 Grad, Schnee und Eis lagen monatelang an Deck. Der kälteste und längste Winter seit dreißig Jahren erwischte und bereits im Hamburger Hafen. In dieser Zeit lag der Dieselverbrauch im Schnitt bei fünf Litern am Tag.

Strom

Das 55 Watt Solar Paneel an Paulinchens Heck reicht in tropischen Breiten aus, um den Strombedarf an Bord zu decken. – Ohne Kühlschrank und solange ich nicht allzuviel arbeite. Aber schon zwei Arbeitstage am Computer bei mittelmäßig bewölktem Himmel reichen, um erheblich an den Akkus zu nagen. Ich denke daher wieder darüber nach, einen einfachen Windgenerator an Paulinchens Heck zu installieren. Auch, weil ich denke im Süden von Südamerika eher weniger Sonnenstunden zu haben.

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