Pole-Dance

von Hinnerk Weiler / am 30.09.2017 / in Weilers-Welt

Perfektion kommt durch Übung. Wer einmal einem Tänzer zuschaut und dabei nicht nur auf Rhythmus und Fluss in der Bewegung achtet, entdeckt schnell die Unmenge an Details, die die Anmut erst ermöglichen. Drehungen, ein Aufschwingen. Ermöglicht wird das von tausend angespannten Muskeln, die unentwegt daran arbeiten, den nächsten Schritt sicher zu platzieren. Übung lässt all diese Bewegungen im Unterbewussten ablaufen, während man selbst nur die Richtung steuert.

Seemannschaft im Wandel der Zeit. Jeden Monat in der "segeln"

Seemannschaft im Wandel der Zeit. Jeden Monat in meiner Kolumne in „segeln“

Bei Gesprächen mit Eignern älterer Yachten kommt oft ein ähnliches Detail zum Vorschein, wenn es um die Frage nach geplanten Umbauten an Bord geht.

Auf den meisten heute neu gebauten Yachten liegen Fallen, Reffleinen und Strecker im Cockpit. Das ist so selbstverständlich geworden, dass niemand mehr über Kraftverlust, Reibung und Abnutzung spricht. – Na gut, es ist ja auch bequem. Bequemlichkeit führt aber dazu, eigene Fähigkeiten zu verlieren oder erst gar nicht zu entwickeln.

Wer sein Leben lang nur Walzer tanzte weil er nur die gut kann, ist aufgeschmissen, wenn das Orchester im Vierviertel-Takt spielt. An Bord ist das genauso: Wenn doch mal der Weg zum Mast nötig ist, tastet sich der eben noch virtuos im Cockpit an den Leinen ziehende Skipper auf einmal zögerlich nach vorn. Halt wird gesucht, Angst muss überwunden werden. Dabei sollte gerade dieser Weg einem im Blut liegen und die Arbeit an Bord Freude machen. Dafür aber muss man ihn gehen, erst recht, wenn man ihn scheut und immer wieder und bei jedem Wetter. Der Übung folgen dann die Perfektion und Anmut.

 

[In meiner monatlichen Kolumne „Weilers Welt“ im Magazin „segeln“ schreibe ich vor allem über Seemannschaft und den Alltag an Bord. Gern mal abstrakt, aber immer mit einem guten Tipp für mehr Freude am Segeln. Dieser Text erschien in der März-Ausgabe 2017]

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