Nur keine Eile im Sommer – Weilers Welt Kolumne

von Hinnerk Weiler / am 15.06.2017 / in Weilers-Welt

Aus meiner monatlichen Seemannschafts-Kolumne im Magazin „segeln“.

Eben noch träumte man von karibischen Stränden, dann zieht das nächste Tief über Nordeuropas Häfen. Die Schauerböe verwandelt das Boot in einen Konzertssal, setzt Trompeter im Rigg ab und verteilt tausend Trommler an Deck. Glück hat, wer da einfach den Augenblick des Aufstehens kurzerhand hinausschieben kann oder sich bestenfalls kurz aufmacht, um Kaffeewasser aufzusetzen. – Nur keine Eile beim Sommertörn, Segeln ist schließlich Erholung. Viel zu häufig hört man aber gerade von Crews auf Urlaubstörns: „Wir müssen“. Das allein ist schlecht. Denn wenn man muss, dann ist man in Eile und wenn man in Eile ist, dann passieren Fehler. Doppelt ärgerlich ist aber, dass das Ziel, wenn wir in Eile sind, in aller Regel auch noch der Heimathafen ist. Gerät der Rückweg nach Hause zum Stress, ist die Erholung des Urlaubs beim Ankommen dahin.

Als Freizeitskipper müssen wir keinen Törnplan einhalten und das macht es zum Gebot guter Seemannschaft, an schlechten Tagen einfach die Besatzung und das Schiff auch Mal zu schonen. Gut gelingt das mit kurzen Etappen statt einem großen Ziel in allzu weiter Ferne. Wer stets nur mit 60 Prozent seiner Durchschnittsgeschwindigkeit plant, hat fast die Hälfte der Zeit zum Bummeln gewonnen, kommt aber eben auch nicht so weit. Dafür muss in Flauten nicht gleich der Motor starten und man freut sich über einen Regentag unter der kuscheligen Decke. Am Ende haben wir trotzdem alles, was wir vom Segeln wirklich brauchen: Das Leben an Bord, erholsame Stunden auf dem Wasser und einen Urlaub, den wir nach dem Törn nicht als Stress in Erinnerung behalten.

Jeden Monat schreibe ich im Magazin „segeln“ über Themen rund um den gebeutelten Begriff der Seemannschaft. Dieser Text erschien in der Druckausgabe 4/2017. Du hast Fragen oder möchtest ein bestimmtes Thema einmal genauer beleuchtet haben? – Schreibe mir

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