Einreise in die USA mit einem Segelboot

von Hinnerk Weiler / am 25.07.2010 / in Behörden und Einreisetipps
Flagge der USA

Vereinigte Staaten von Amerika

Deutsche, die per Boot in die USA reisen, benötigen bereits VORHER ein Visum. Das von mir im Blog beschriebene Vorgehen für die Visabeschaffung ist nicht mehr aktuell! Nach meinem letzten Kentnissstand müssen jetzt alle Formulare direkt im Internet ausgefüllt werden und zusammen mit einem Passfoto hoch geladen werden. Erst dann kann telefonisch oder ebenfalls im Internet ein Termin für das weiterhin notwendige Visainterview in der Botschaft vereinbart werden. Weitere Informationen dazu gibt es unter www.us-botschaft.de.

Die Einreiseprozedur in Plymouth entsprach weitgehend der in Kanada. Wieder durfte nur der Skipper das Boot verlassen, um die Customs & Border Police zu verständigen. Dies wurde aber bereits durch die Hafenbehörden veranlasst, als ich bei der Nachfrage nach einem Liegeplatz erwähnte, dass ich noch einklarieren müsste. Wir wurden an eine Mooring verwiesen und durften das Boot erst verlassen, nachdem die Beamten an Bord waren. Eine größere Inspektion, von der mir immer wieder berichtet wurde blieb aus. Vermutlich, da wir bereits in Kanada waren und damit bereits nach der Atlantiküberquerung kontrolliert wurden. Mir wurde von anderen Crews berichtet, dass bei einer Inspektion im Namen der Nationalen Sicherheit auch schon mal eine Dose Aldi-Gulasch aus Deutschland konfiziert wurde.

Bei der Einreise erhält jedes Crew-Mitglied eine weiße Karte mit einer Nummer. In South Carolina hatten die Beamten mir auf dem Rückweg von den Bahamas allerdings vergessen diese Karte auszustellen. Die Folge waren etwa 45 Minuten Diskussion am Telefon bei der späteren Ausreise und letztlich die Aufforderung: “Achten Sie darauf diese Karte beim nächsten Mal zu bekommen!”

Außerdem benötigen deutsche Boote eine gegen 19 Dollar Gebühr ausgestellte Cruising Lizenz. Damit darf sich das Boot für ein Jahr in den US-Gewässern unversteuert aufhalten. Die Lizenz behält ihr Gültigkeit auch bei einem zwischenzeitigen aufenthalt beispielsweise in den Bahamas. Eine Verlängerung ist laut Zollstelle in Albany,NY nicht möglich. Vor Beantragung einer neuen Lizenz muss die Yacht nachweislich mindestens 14-Tage die USA verlassen haben.

Für Crews gilt das allerdings nicht! Jede Person an Bord muss, je nach Art des Visums alle 90 Tage für einige Tage die Staaten verlassen, um eine neue Aufenthaltserlaubnis für Touristen zu erhalten. Ein gern genommener Weg dafür ist ein Abstecher in die Bahamas, oder nach Kanada. In meinem Pass befindet sich allerdings ein Visum für Journalisten. Damit wird mein Pass bei jeder Einreise ohne Aufenthaltsbeschränkung abgestempelt. Auf Nachfrage erfuhr ich, dass ich mich im Land aufhalten darf, bis das Visum abläuft. Aber das Boot dennoch einmal jährlich für 14 Tage ie USA verlassen muss, um ein neues Cruising Permit zu erhalten.

Die Custom & Border Police (CBP) muss telefonisch SOFORT nach jedem Wechsel des Zuständigkeitsbereichs eines Wachreviers (sogenannte “Ports”) informiert werden. Nichtbeachtung dieser Vorschrift kostet bis zu 3.000 Dollar Strafe! Beim Anruf sind Crewdaten und Nummer der Cruising Lizenz erforderlich. Die Grenzen dieser Reviere sind nicht an Bundesstaaten oder County-Grenzen gebunden. Daher lohnt es sich, bei der Anmeldung die beabsichtigte Route zu nennen, und nachzufragen, wie weit man fahren darf und wo man dann Anrufen muss, um sich im nächsten Port anzumelden. Einige Beamte bestehen allerdings auf die strikte auslegung der Vorschrift und auf eine Meldung neuer Standorte auch innerhalb der Grenzen des eigenen Ports. Kontrollen können erheblich beschleunigt werden, wenn man sich den Namen des Officers notiert, mit dem man gesprochen hat.

Die US-Küstenwache ist in allen Gewässern rund um die USA ständig präsent

Kontrollen während der Reise in den USA sind häufig. Es vergeht kaum ein Tag, an dem man nicht mehrmals einem Küstenwach-, Scherriff-, State Trooper- oder sonstigem Behördenboot begegnet. Wenn sie längsseits gehen, dann nicht selten aus der Neugierde, was ein deutsches Boot in den Staaten machet. Die Frage nach den Bootspapieren ist dann eher der Vorwand für einen Smalltalk und meist beschränkt man sich darauf, die Existenz einer Cruising Lizenz zu überprüfen. Bei diesen Kontrollen ist Fingerspizengefühl sehr zu empfehlen: Zwei oder drei Officer halten sich in aller Regel im Hintergrund, mit der Hand an der Waffe. Statt schneller Bewegungen sind also allein daher schon nicht allzu hektische Reaktionen zu empfkehlen. Bei einer nächtlichen Kontrolle wurde von einem Officer dankend bemerkt, dass ich die Decksbeleuchtung bei Annäherung des Polizeibootes eingeschaltet hatte und mich demonstrativ mittig ins Cockpit gestellt hatte.

Insgesamt sind mir alle Officers in den Staaten als sehr freundlich und hilfsbereit begegnet. Der Beamte, bei dem ich mich nach der Rückkehr aus den Bahamas in Charleston telefonisch anmeldete schickte mir nach Vorschrift natürlich noch in der Nacht die Kollegen für den Papierkram, kam aber dann zwei Tage später sogar noch persönlich vorbei: “I just wanted to say hello, we have talked on the phone the other day”…

In den USA gibt es vielerorts sogenannte “No Discharge Zones”. In diesen Gebieten muss das Seeventiel einer Seetoilette laut US-Coast Pilot (den offiziellen Seehandbüchern der USA) auf “Fäkalientank”, bzw. bei fehlendem Tank auf “geschlossen” eingestellt sein. Der Hebel muss zudem gegen versehentliches Öffnen gesichert sein. Die Versicherung, dass niemand an Bord den Hebel betätigen würde genügt nicht. Allerdings reicht als “seal”, ein Kabelbinder aus – und da man an der Küste häufig zwischen den Gebieten wechselt, ist es durchaus akzeptabel, den Beutel mit den Kabelbindern direkt daneben aufzuhängen.

Kreative Tricks, die man in vielen Internet Foren in den USA findet, sind hingegen weniger Erfolgversprechend: Aufkleber vertauschen, Schläuche falsch herum anzuschließen oder Hebel um 90 Grad versetzt zu montieren mag in der Anfangszeit des Internet funktioniert haben. Mittlerweile lesen aber auch Coast Guard Officers mit und machen sich entsprechende Notizen. Betrug ist ein riskantes Spiel und kein Kavaliersdelikt. Von kanadischen Crews habe ich Berichte erhalten, dass Farbstoffe in die Toilette gegossen werden. Verfärbt sich nach dem Spülen das Wasser hinterm Boot, liegen die Kosten zwischen 1.000 und 5.000 Dollar!

Die Ausreise aus den USA ist weitgehend unkompliziert: Je nachdem, ob eine weiße Karte bei der Einreise ausgehändigt wurde oder nicht, muss diese Karte vor dem Verlassen des letzten Hafens den Behörden zurückgegeben werden. Die bei jeder Einreise ausgehändigte weiße Karte muss bei der Ausreise zurückgegeben werden. Am einfachsten geht das, wenn der “Port of deprture” auch ein offizieller “Port of entry” für die USA ist. Dann reicht es, die Karte dem Marinapersonal zu übergeben, von wo sie dann an die CBP weitergereicht wird. Ist das nicht möglich, sollte zumindest telefonisch beim CBP die Nummer auf der Karte durchgegeben werden. Mir wurde berichtet, dass Skipper Probleme mit einer Wiedereinreise hatten, nachdem sie sich nicht abgemeldet hatten. Die Behörden gingen in dem Fall davon aus, dass die Crew beim ersten Besuch länger als erlaubt in den Staaten gewesen ist.

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