Unter Wolken

von Hinnerk Weiler / am 16.05.2010 / in Europa
Sao Miguel direkt vorraus der Hafen Ponta Delgada

Nach elf Tagen liegt die Insel endlich vor mir

Das Dämmerlicht des Morgens genügt, um sich ein Bild zu machen: Falsch gefahren. Tiefhängende Wolken, die finstere Schatten über die Insel tragen. Schottland, Island, Hebriden sind die ersten Vergleiche, die mir in den Kopf kommen. Wäre da nicht die Tatsache, dass ich um sechs Uhr morgens in Jeans und Poloshirt an Deck stehe und mir nicht kalt ist. Doch, das ist Sao Miguel. Eine Insel im Atlantik und mit etwas Nachdenken wird mir auch klar, dass sie genau so aussehen muss, wenn kühle Luft aus dem Norden auf die von der Sonne aufgewärmte Insel prallt. Außerdem befinden wir uns im “Azores Current”, wie die Seekarte der Britischen Admiralität betont. Der Ableger des Golf-Stromes, der hier nach Südosten fließt sorgt zusätzlich auch für warmes Wasser und fördert so die Wolkenbildung.

Aus dem Niedergang begleiten die Brandenburgischen Konzerte das Frühstück und neben mir liegt in zwei Meilen abstand das Ziel meiner Reise. Zeit, sich für das Einklarieren vorzubereiten. Und wer schon keine vollständigen Papiere hat (vom BSH gab es bis heute kein Flaggenzertifikat), sollte wenigstens gut riechen. Nach elf Tagen auf See gibt es dazu ein einfaches Mittel: Dreimal entleert sich die Pütz über mir, einseifen und dann noch drei mal spülen. Das Wasser ist wärmer als im finnischen Juli.

Dunstverhangene Wolken über der Insel Sao Miguel. Davor ein sonnenverwöhntes Dorf. Kontrastreich

Kontraste - Sonnendurchflutete Dörfer und wolkenverhangene Berge

Die letzten Meilen lege ich unter Motor zurück, direkter Kurs auf die Hafeneinfahrt, vorbei an freundlich grüßenden Fischern und mit der Gastlandflagge von Portugal und dem gelben “Q” unter der Saling. Ponta Delgada ist Einklarierungshafen. Und obwohl die Azoren zu Portugal und damit zur EU gehören wird bei ankommenden Yachten nicht zwischen EU und Nicht-EU unterschieden. Ich bin gespannt, das erste Mal einklarieren.

Ich drehe einen Kreis im Vorhafen, hänge Fender heraus und lege die Festmacher bereit. Am “Reception-Pier” steht bereits ein Grenzbeamter und ein Mitarbeiter der Marina. Kurzes “Morning”, dann werden Leinen angenommen und das Boot vertäut. Ich soll dem Beamten folgen, “Passport and Ships papers” mitnehmen. Der Versuch, den Weg mit Smalltalk zu verkürzen wird mit einem Lächeln honoriert.

Der Hafen Ponta Delgada auf der Azoreninsel Sao Miguel

Ponta Delgada Hafenpanorama

Das Fehlen einer Amtlichen Registrierung ist “not a problem”. Die Kombination aus Kaufvertrag mit den technischen Daten und der Zuteilungsurkunde für der Funkgerät genügen um die Grenzpolizei zufrieden zu stellen. Richtig einreisen kann ich trotzdem nicht. Wie schon erwähnt gehören die Azoren zu Portugal und Portugal ist überwiegend katholisch. Marina Office, Emigation Office, Customs Office sind an Christi Himmelfahrt nicht besetzt. Immerhin darf ich schon mal an Land und mir die Stadt ansehen.

1 Kommentar

  • Thorsten says:

    Hey Hinnerk, schön zu lesen, dass Du gut angekommen bist. Sind die Azoren nicht traumhaft? Ich kann es nicht erwarten, endlich wieder hinzukommen. Genieß die Tage und grüß mir die Inseln.
    Thorsten