Kurztrip nach Berlin

von Hinnerk Weiler / am 02.02.2010 / in Amerika

Schneechaos in Meck-Pom! Zugausfälle und Einstellung des öffentlichen Nahverkehrs nördlich von Berlin. Die Nachrichten am ersten Februarwochenende machen Lust auf eine Zugfahrt auf “bevorzugten Streckenabschnitten”: Statt Schönes Wochenende Ticket und Bummelbahnen mit mehrfachem Umsteigen geht es lieber mit 195 km/h im ICE durchs Schneegestöber Richtung Berlin. Eine halbe Stunde Verspätung klingt dabei fast “Pünktlich”.

Kurs Westen

Kurs Sonnenuntergang. Mit dem US-Visum ist eine der letzten Hürden genommen

In der Hauptstadt stand vor allem der Besuch bei der US-Botschaft für das Visum auf dem Programm. Das zu bekommen, sollte kompliziert und aufwändig sein, die beteiligten Beamten zeichnen sich angeblich durch wenig Freundlichkeit aus. – So zumindest liest man es, wenn man sich über den Visaantrag im Internet informiert. Naturgemäß findet man dort natürlich vor allem Berichte von frustrierten, gescheiterten und verärgerten Antragstellern. Tatsächlich schlichen auch während meines Besuchs in der US-Botschaft einige lange Gesichter von den Interview-Schaltern an den wartenden vorbei Richtung Ausgang. Abgelehnt bedeutet für jeden hier fast einhundert Euro Visagebühr und eventuell noch Zugtickets und Hotelkosten in den Sand gesetzt zu haben. Dazu natürlich auch, persönlichen Pläne durchkreuzt zu sehen.

Davor schützt vor allem eine gründliche Vorbereitung. Ein wenig Nervös war ich trotzdem, als ich nach Sicherheitskontrollen und einer langen Zeit meinen ungemütlichen Holzstuhl verlassen sollte und zum Interview aufgerufen wurde. Mein ganz persönlicher Eindruck: Auch Botschaftsangestellte sind einfach nur Menschen, die am liebsten einen unkomplizierten Arbeitstag haben wollen. Die Informationen, die sie einem vorher per Mail zuschicken genau durchzulesen hilft ungemein und die Prozedur exakt so zu erledigen, wie die Amerikaner es gerne hätten beschleunigt das Verfahren erheblich. Entgegen der Auskunft bei der telefonischen Terminvereinbarung waren dabei neben Dokumenten auch selbst verfasste Unterlagen durchaus von Vorteil: Eine detaillierte Routenbeschreibung für die geplante Reise, eine grobe Kalkulation der erwarteten Kosten und Ziele sah sich der Beamte genau an. Meine Unterlagen enthielten auch Informationen über die Zeit nach dem USA-Besuch und ließen so gar nicht erst die Frage nach dem Verlassen verlassen wird. Dass Stürme, Hochwasser, lange Dürre oder ein technischer Defekt gerade in Binnenrevieren lange Verzögerungen bei Bootsreisen bedeuten, habe ich totzdem offen erzählt. So plane ich zwar “nur” sieben Monate zu bleiben, aber es wäre unverantwortlich, nach einer Zwangspause auf dem Mississippi mit einem kleinen Boot mitten in die Hurrikan Saison an die Golfküste zu fahren. Im ersten Augenblick klingt das nach Unsicherheit, schafft aber auch Verständnis und zeigt, dass man auch auf Komplikationen während der Reise vorbereitet ist und sich Gedanken macht nicht mit den Einreisebestimmungen in Konflikt zu geraten.

Die Steilvorlage für einen guten Einstig in das Gespräch lieferte der Beamten übrigens schon gleich zu Beginn selbst: Nach seinem “Good Morning” wäre jede Antwort auf Deutsch verschenkte Sympathie. Natürlich hakte es bei dem einen oder anderen Fachbegriff, aber dann kam er mir bereitwillig entgegen und wechselte für ein oder zwei Sätze mit einem Lächeln ins Deutsche. Nach etwa fünf Minuten Gespräch folgte das “Approved”. Heute soll der Pass theoretisch schon in der Post auf dem Rückweg sein.

Doch so ganz ohne Komplikationen ging der Tag natürlich auch nicht vorüber: Ein Uniformierter mit deutschem Bundesadler auf dem Jackenärmel sorgt vor der Botschaft für Ordnung. “Ham’ se Handy oder MP3-Player dabei? Dann komm‘ se‘ nich‘ weiter. Haaaalt! Ich habe se’ noch nicht da hoch geschickt.” waren die ersten Worte, die mir vor der Botschaft begegneten. – Das allerdings ein deutscher Beamter mir das Betreten einer ausländischen Botschaft erlauben muss, passt irgendwie nicht ganz in ein Bild. Dass er es mir verbieten will erschreckt mich. Aber ab dem Pförtnerhaus galt dann wieder „Guten Morgen“.

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